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Neu-Isenburg Einfach gemütlich

Das Traditionshaus „Wessinger“ baut um und erfindet sich neu. Das 105 Jahre alte Unternehmen, das selbst Kunden aus Frankfurt und von noch weiter her anlockt, wird inzwischen in vierter Generation von der Familie geführt.

Alexander Wessinger und seine Schwester Wiebke Gómez-Sáez führen das „Wessinger“ in vierter Generation. Foto: Monika Müller

Dass Neu-Isenburg eine weithin bekannte Feinschmeckerstadt ist, verdankt es nicht nur, aber sicher zu einem guten Teil der wohl bekanntesten Konditorei im ganzen Kreis Offenbach, dem Hotel-Restaurant und Café Wessinger in der Alicestraße. Um dort Kuchen oder Torte zu kaufen, kommen viele Kunden auch aus Frankfurt und von noch weiter eigens hierher.

Das 105 Jahre alte Unternehmen wird inzwischen in vierter Generation von der Familie geführt, die Chefs sind heute Alexander Wessinger, 43, und seine zwei Jahre jüngere Schwester Wiebke Gómez-Sáez. Es ist, das kann man schon sagen, eine Institution in der Stadt.

Und wenn sich bei Institutionen etwas ändert, dann ist das Interesse in der Regel groß. Fünf Wochen lang ist umgebaut worden, bei laufendem Hotelbetrieb. Seit heute gibt es hier wieder Kuchen und Torten. Wer das Haus kennt, der dürfte allerdings staunen. Verschwunden sind die gestärkten weißen Tischtücher, langen Kaffeetafeln und die schweren dunklen Möbel.

Ausgesprochen gemütlich sind die neuen Räume geworden, in denen nun kleine Holztischchen stehen und das Licht an der Wand aus Küchenquirls kommt, wo die neue Lounge wie in einem privaten Wohnzimmer mit dickem Teppich und Ledersesseln ausgestattet ist und goldene Designerlampen leuchten, als wären sie in einer Berliner Szene-Bar. Ob das die Stammgäste nicht verschreckt? „Wir hoffen es nicht“, sagt die gelernte Hotelkauffrau Gómez-Sáez.

„Es war vorher schon steifer“, sagt Wessinger. Und seine Schwester ergänzt: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit, sagt man. Das gilt besonders in der Gastronomie.“ Man habe, sagt Gómez-Sáez, ein Laden werden wollen, „wo die Nachbarschaft abends noch auf ein Bier vorbeischaut oder sonntags zum Frühstücken kommt und wo sich ein Hotelgast auch mal alleine ins Restaurant setzen kann“.

Ein Denkmal für den Vater

2010 übernahmen die Geschwister die Leitung des Traditionshauses. „Aber wir haben eigentlich schon eine lebenslange Betriebszugehörigkeit“, sagt Gómez-Sáez lachend. Immerhin 45 Menschen arbeiten. „Bei 365 Öffnungstagen im Jahr braucht man eben eine Menge Personal“, sagt Wessinger.

Neun Azubis lernen hier. Lehrlinge für die Konditorei zu finden, sei dabei überhaupt kein Problem, berichtet Gómez-Sáez. Da profitiert das Haus offenbar von seinem überregionalen Ruf. Im Hotel- und Gaststättenbereich sei es inzwischen aber schwierig geworden, alle Lehrstellen zu besetzen. „Das ist leider überall der Trend“, sagt sie.

Dabei ist es ein schöner Beruf, der beiden große Freude macht. Ob sie in die Fußstapfen der Eltern treten wollten, das hätten die Geschwister ganz frei entscheiden können, berichtet Wessinger. „Aber es war für uns auch eine große Chance.“ Dem mit nur 62 Jahren verstorbenen Vater Werner haben sie nun ein symbolisches Denkmal gesetzt: „Werners“ heißt die neu eröffnete Brasserie.

In einem Familienbetrieb zu arbeiten, habe viele Vorteile, meint Gómez-Sáez. „Mein Bruder ist mir der liebste Partner. Dem kann ich vertrauen, wir können uns gut vertreten und auch mal gut über etwas streiten.“

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