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Nell-Breuning-Schule Offenbach "Genialität gibt es hin und wieder"

Die Hochbegabten-Abteilung der Nell-Breuning-Schule gilt als bundesweit einzigartig. Claudia Wenhardt-Bucci hat mit dem Lehrer John Flath über "hochbegabte Minderleister" gesprochen.

16.03.2010 00:03
"Wir verzichten bewusst darauf, die Kinder auf Höchstleistungen zu trimmen." John Flath (34) ist kommissarischer Leiter der Abteilung Hochbegabte der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule. Er ist seit etwa vier Jahren an der Schule. Die NBS ist eine Förderschule für Erziehungshilfe und Kranke, die auf Gymnasialniveau arbeitet. Foto: Christoph Boeckheler

Herr Flath, Sie unterrichten sogenannte hochbegabte Minderleister an der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule in der Abteilung Hochbegabte in Offenbach - der bundesweit einzigen Schule nach diesem Modell. Was charakterisiert Ihre Schüler?Unsere Schüler werden alle nicht mehr an einer Regelschule unterrichtet, weil sie dort verhaltensauffällig waren und manchmal über Jahre hinweg nicht mehr am Unterricht teilnahmen. Sie erhalten Erziehungshilfe und werden wieder an regelmäßigen Unterricht herangeführt. Zugleich sind alle unsere Schüler hochbegabt, haben also überwiegend einen IQ von 130 und mehr.

Was kennzeichnet diese Verhaltensauffälligkeit?Sie alle haben massive Brüche bis hin zu einem Scheitern in ihrer Schulbiografie. Sie litten an Unterforderung in der Regelschule, hatten massive Schwierigkeiten mit den Lehrern, hinzukommen Probleme in der Familie - oftmals ist die mit der Erziehung solcher Kinder überfordert.

Hat Hochbegabung immer etwas mit Genialität zu tun?Genialität gibt es hin und wieder. Aber eigentlich haben wir es mit jungen Menschen zu tun, die aufgefangen werden müssen. Wir verzichten bewusst darauf, die Kinder auf Höchstleistungen zu trimmen. Uns ist viel wichtiger, ihre Persönlichkeit in Balance zu bringen. Das Hauptziel ist ihre Reintegration in die Regelschule oder in eine Ausbildung.

Was macht Ihre Schule anders?Wir verstehen uns als Teil der Erziehungshilfe, die Kinder und Jugendlichen werden ja neben der Schule noch weiter betreut. Wir sind bemüht, zuerst die Gesamtsituation der Kinder zu entspannen.

Und dann?Wir gehen auf die Hochbegabung der Kinder ein, fördern ihre individuellen Vorlieben, ermuntern sie in ihren Interessen und schaffen Möglichkeiten, ihre Begabung anzuwenden. Zugleich wollen wir auch Ergebnisse sehen. Es gibt die klassischen Noten - darauf bestehen die Schüler.

Wie sieht der Schulalltag aus?Wir unterrichten hier ab der 5. Klasse bis hin zum Abitur. Schüler können hier ihren Realschulabschluss oder ein externes Abitur machen. Gearbeitet wird in kleinen Gruppen, je nach Alter fünf bis sechs oder auch mal zehn Schüler gemeinsam. Insgesamt haben wir hier 70 Kinder, bei einem Verteilungsschlüssel von einem Lehrer auf fünf Schüler.

Und die Ausbildung der Lehrer?Geradeausbiografien haben wir nicht, lange nicht alle sind Lehrer. Wir haben Theologen, Philosophen, Musiker, aber auch Gymnasial-, Real- und Hauptschullehrer.

Sind alle Lehrer hochbegabt? (lacht) Ich weiß es nicht, es ist zumindest keine Einstellungsvoraussetzung.

Interview: Claudia Wenhardt-Bucci

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