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Museum für digitale Kultur in Offenbach Alte Computer zum Anfassen

In der Offenbacher Fußgängerzone eröffnet nach langer Raumsuche ein Museum für digitale Kultur: der „Digital Retro Park“.

Digital Retro Park in Offenbach
Zufrieden zwischen Commodore-Computern: Stefan Pitsch und Falk Heinzelmann (v. l.). Foto: Michael Schick

Stefan Pitsch liebt alte Computer. Vor allem jene Geräte aus den 70er- und 80er-Jahren, die Namen tragen wie „Atari“ oder „Commodore“ und die er nicht nur kultig, sondern auch aus technischer Sicht hochspannend findet. Nach jahrelanger Suche ist es Pitsch zusammen mit einem guten Dutzend weiterer Computerfans aus der Region nun gelungen, Räume für ein Museum für digitale Kultur anzumieten: Der „Digital Retro Park“ nimmt rund 200 Quadratmeter bislang leerstehender Fläche in der Walter-Einkaufspassage in der Offenbacher Fußgängerzone ein und öffnet nächste Woche.

Noch finden letzte Arbeiten statt, einige Mitglieder des Betreibervereins „Digital Retro Park“ haben sich dafür extra Urlaub genommen: Stromleitungen werden verlegt, Infotafeln und großformatige Pixel-Figuren an den Wänden befestigt und Stühle aufgestellt. Die Stühle sind erwähnenswert – denn es ist das erklärte Ziel des Vereins, dass das Museum eines zum Anfassen und Ausprobieren wird und keines, wo alte Technik hinter Vitrinen verstaubt. „Wir wollen Geschichte und Technik im Wortsinne begreifbar machen“, steht auf der Internetseite des Museums – außerdem will man Lehrkräfte ansprechen, die ihren IT-Unterricht anschaulich gestalten wollen.

Deshalb kann im „Digital Retro Park“ auch viel gespielt werden – unter anderem in einem Raum, der vom Couchtisch bis zum Fernseher einem 70er-Jahre-Wohnzimmer nachempfunden ist. Die Dauerausstellung, die sich zu großen Teilen aus dem Fundus der Vereinsmitglieder speist sowie aus Spenden und Leihgaben soll die Computergeschichte abbilden, Sonderausstellungen sind geplant.

Folgt man den Gründungsmitgliedern Pitsch und Falk Heinzelmann durch die noch unfertigen Räume, wird schnell klar, dass neben einer ausgeprägten Sammelleidenschaft auch viel Herzblut hinter dem „Digital Retro Park“ steckt. „Heute gibt es PCs und Apple, aber damals, als PCs noch neu waren, wusste noch keiner, wo die Reise hingeht“, erzählt Pitsch begeistert von den unterschiedlichen Ansätzen der damals tätigen Firmen. Er und Heinzelmann sprudeln geradezu vor Wissen über die ausgestellten Geräte und werden auch Führungen anbieten.

Überhaupt wird dem Austausch viel Wert beigemessen. Im Idealfall werde das Museum ein sozio-digitales Kulturzentrum für die ganze Region, heißt es – mit einem Café- und Loungebereich, wo Workshops, Vorträge, Bastel-Werkstätten und Kulturveranstaltungen Platz finden. Die Finanzierung für das ehrenamtlich betriebene Museumsprojekt steht zunächst für ein Jahr.

Die Idee für den „Digital Retro Park“ existiert schon seit Jahren. Das große Interesse an den zwischenzeitlich an unterschiedlichen Orten realisierten Ausstellungen – etwa in den Offenbacher Zollamt-Studios – habe gezeigt, dass man auf dem richtigen Weg sei, erzählt Pitsch. Ebenso das Startbudget, das man über die Crowdfunding-Initiative „kulturMut“ der Aventis Foundation eingesammelt hat: 17 500 Euro.

Doch die Raumsuche gestaltete sich schwierig und langwierig, von der Stadt vermittelte Immobilien erwiesen sich als nicht geeignet und nach Frankfurt wollten die zu mehr als 90 Prozent männlichen Museumsmacher nicht – „dort wären wir nur ein Museum unter vielen gewesen“, sagt Pitsch. In Offenbach hingegen erzeugt das Projekt schon seit Jahren eine gewisse Aufmerksamkeit. Nun wurde die Gruppe ausgerechnet mitten in der Fußgängerzone fündig, wo etwas versteckt auf mehreren Stockwerken viele Räume leerstanden: Die haben Pitsch & Co. übrigens nach dem – durchgehend weiblichen – sechsköpfigen Programmierteam eines Supercomputers benannt.

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