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Möbel Boss in Offenbach „Wurde als Drecks-Salafistin beschimpft“

Nach einem Shitstorm trennt sich Möbel Boss von dem Leiter seiner Offenbacher Filiale.

Kopftuch
Noch niemals sei sie in ihrer Würde so verletzt worden, nur weil sie ein Kopftuch trage, sagt die Frau (Symbolbild). Foto: dpa

Nach Rassismusvorwürfen hat sich der Mitnahmemarkt Möbel Boss „mit sofortiger Wirkung“ von dem Leiter seiner Offenbacher Filiale getrennt. Die Polizei ermittelt, ihr liegen sowohl Anzeigen der betroffenen Kundin, einer 32-jährigen kopftuchtragenden Frau, als auch des 40-jährigen Mitarbeiters vor. Der Vorfall, der sich bereits am 4. Juni in dem Möbelmarkt zugetragen hat, hatte im Netz für Aufruhr gesorgt. Die Nachrichtenseite MuslimStern stellte auf Facebook einen Post mit der Schlagzeile „Filialleiter des Offenbacher Möbelhauses SB-Möbel greift eine schwangere Muslima an und beschimpft sie als Scheiß-Salafistin“.

Der Bericht löste einen Shitstorm im Internet aus. Nach zwei Tagen reagierte das Unternehmen, entschuldigte sich bei der Kundin sowie „bei allen, die sich durch das Fehlverhalten unseres Mitarbeiters gekränkt fühlen“. Diskriminierung habe bei Möbel Boss keinen Platz, betonten die Verantwortlichen.

Für ihr „konsequentes Handeln“ wurde der Firma Respekt gezollt und Genugtuung geäußert. „Damit haben sie allen Muslimen gezeigt, dass wir in diesem Unternehmen herzlich willkommen sind. Danke dafür“, schrieb eine Nutzerin. Eine andere kommentierte die Kündigung mit den Worten: „Endlich wurde mal ein Zeichen gesetzt!“

SB-Möbel Boss, das mit seinen mehr als 100 Filialen zur Porta-Gruppe und damit zu einem der größten deutschen Möbelhäuser mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro gehört, hat auf seiner Facebook-Seite nicht nur die eigene Stellungnahme zu dem Vorfall veröffentlicht, auch die Darstellung der Frau und die vielen Kommentare sind dort zu lesen.

Nach Angaben der 32-Jährigen war Folgendes passiert: Eine Couch von Möbel Boss an ihre Mutter war bei der Lieferung beschädigt worden, weil sie nicht durch die Haustüre passte. Die Mutter verweigerte deshalb die Annahme, die Tochter vereinbarte daraufhin einen Termin beim Filialleiter. Der will die Couch nicht zurücknehmen. „Soll ich etwa Ihre Tür vergrößern, damit die Scheiß-Couch durchpasst?“, soll der Mitarbeiter gesagt haben.

Auf ihre Bitte hin, gemeinsam eine Lösung zu finden, soll er die Frau an der Schulter gepackt und zum Verlassen des Hauses aufgefordert haben. Nach ihrer Schilderung machte sie ihn darauf aufmerksam, dass sie schwanger sei. Der Filialleiter habe nur gemeint, das sei ihm egal, und dann habe er sie als „Drecks-Salafistin“ (nicht „Scheiß-Salafistin“, wie im Post von MuslimStern stand) bezeichnet, sagt die Frau. Sie alarmierte die Polizei und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Nach Angaben von Polizeisprecherin Andrea Ackermann liegt eine Gegenanzeige des Filialleiters wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch vor.

Es gebe bisher keine Hinweise auf rassistische Äußerungen. Zumindest habe die Frau diese gegenüber der Polizei nicht angezeigt, so die Sprecherin. „Aber wenn rassistische oder ausländerfeindliche Aussagen bei den anstehenden Zeugenbefragungen belegt werden, wird selbstverständlich auch in diese Richtung ermittelt“, so Ackermann.

Facebook-Beitrag sorgt für Wirbel

In ihrem Facebook-Beitrag bezeichnet sich die 32-Jährige als gebürtige Deutsche mit Migrationshintergrund und als gebildete Muslima. Noch niemals sei sie in ihrer Würde so verletzt worden, nur weil sie ein Kopftuch trage. Sie kündigt in dem Schreiben „weitere rechtliche Schritte“ an und fordert zum Boykott des Möbelhauses auf.

Im Netz erhält sie tausendfach Unterstützung. Es wird beklagt, Muslime würden als „Menschen zweiter Klasse behandelt“. Ein Nutzer wundert sich, wie der 40-Jährige Marktleiter in Offenbach werden konnte, „einer Stadt, in der es gefühlt mehr Ausländer als Deutsche gibt“.

Möbel Boss schreibt in seiner Stellungnahme, es sei nach jetzigem Kenntnisstand zu einem „klaren Fehlverhalten“ gekommen, „auch wenn bestimmte Aussagen in der dargestellten Weise wohl nicht so gefallen sind“. Man habe sich von dem Mitarbeiter getrennt, weil sein Verhalten nicht mit den Überzeugungen des Unternehmens von Respekt, kultureller Vielfalt und sozialer Verantwortung übereinstimmten. Eine FR-Anfrage zu Details des Fehlverhaltens und zur beruflichen Zukunft des Marktleiters beantwortete die Presseabteilung nicht. Das seien personenbezogene und damit schützenswerte Daten, hieß es.

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