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Lutherkirche Per Aufzug in den Gottesdienst

Der erste Stock der Lutherkirche ist jetzt barrierefrei zu erreichen. Ein Aufzug führt nun ins Foyer vor dem Gottesdienstraum.

Der Aufzug führt ins Foyer vor dem Gottesdienstraum. Foto: Monika Müller

Wer im Rollstuhl sitzt oder aus Altersgründen nicht mehr gut zu Fuß ist, hatte bisher in der Lutherkirche große Schwierigkeiten. Denn der Gottesdienstraum der von außen eher an ein Schulgebäude erinnernden Kirche an der Offenbacher Waldstraße befindet sich im ersten Stock. Zwar bot die Kirche für die Gemeindemitglieder, die es nicht die vielen Treppenstufen hinaufschaffen, schon länger viermal im Jahr einen Gottesdienst im Erdgeschoss an. Doch etwa zehn Jahre gärte bereits der Wunsch, ihnen mit einem Fahrstuhl die unkomplizierte Teilnahme am Gottesdienst sowie den Besuch der Konzerte der Offenbacher Kantorei zu ermöglichen.

Seit dem 10. Dezember fährt nun ein Aufzug Besucher ins Foyer vor den Gottesdienstraum und zudem in ein Zwischengeschoss, in dem künftig das Gemeindebüro sein soll. Bei Bedarf kann er so nachgerüstet werden, dass er auch in der Pfarrerwohnung und der darüber liegenden Mietwohnung hält. Die evangelische Gemeinde feierte gestern im Gottesdienst vor dem Jahresempfang der Offenbacher Kantorei nicht nur, dass die Kirche nun wirklich jedem offen steht, sondern auch das Ende der für Bewohner und Nutzer des Gebäudes belastenden Bauarbeiten. Denn die glichen, wie es Architektin Stephanie Wellnitz im Gottesdienst formulierte, einer Operation am offenen Herzen. Der inzwischen gewechselte Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath habe wohl teilweise sein eigenes Orgelspiel nicht mehr hören können.

Weil der Einbau eines gläsernen Aufzugs in das Treppenhaus des mit Jugendstilelementen versehenen knapp 100 Jahre alten Gebäudes dem Denkmalschutz nicht behagte, musste die Decke durchbrochen werden. Durch das ganze einst vom Darmstädter Landeskirchenbaudirektor Friedrich Pützer entworfene Haus zog sich ein drei mal drei Meter großes Loch.

Die Wohnung von Pfarrer Ulrich Knödler war, wie er berichtete, ein halbes Jahr eine Baustelle, ein Zimmer war in der Zeit nicht zu benutzen. „Wir haben den feinen weißen Staub unterschätzt. Er hat sich im ganzen Gebäude verteilt, er kommt in die engste Ritze“, sagte er.

Die aufwendigen Bauarbeiten hätten zudem zu höheren Kosten geführt, sagt Knödler. Diese lägen bei 200000 Euro, die die Gemeinde aus einem Erbe und Spenden begleiche. „Wir wollen signalisieren, dass wir niemanden ausschließen“, sagte Knödler. Eine Frau etwa sei nicht mehr in den Gottesdienst gekommen, weil sie es nicht mehr schaffe, die Treppe hinaufzusteigen. „Unser Dienst am Nächsten gilt auch für gebrechliche Menschen“, sagte Karl Hainer für den Kirchenvorstand.

Die Gemeinde sehe den Aufzug auch als kleinen Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft. Die jetzt realisierte Lösung sei die teuerste, aber letztlich, nicht nur wegen der Auflagen des Denkmalschutzes, die einzig mögliche gewesen. Nicht infrage gekommen ist nach seiner Ansicht etwa, dass die Besucher, die den Aufzug brauchen, nur über den Hintereingang in die Kirche gelangen.

Maike Henningsen vom Vorstand der Offenbacher Kantorei freut sich, dass sie ihr Material nicht mehr die Treppe hochtragen muss. Claudia Steiner, Behindertenbeauftragte der Stadt, sprach von einem vorbildlichen Projekt. „Ich hoffe, dass auch andere Gemeinden das übernehmen. Verbreiten Sie, dass Sie einen barrierefreien Zugang haben!“

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