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Luminale 2010 Ein Denkmal für die Birne

Zur Luminale leuchten hier höchstens die Erinnerungen: Offenbacher HfG-Studenten haben tausende ausgebrannter Glühbirnen gesammelt. Sie erinnern damit an ein verschwindendes Licht.

07.04.2010 14:04
Von Angelika Ohliger
Ein Denkmal in Form eines Alpengletschers: Das Modell des Offenbacher Birnendenkmals. Foto: Christoph Boeckheler

Es soll 1,80 Meter hoch, zwei bis drei Meter breit werden und sich über die gesamte Länge des Aliceplatzes schlängeln. Großes hat eine Gruppe von jungen Künstlern vor: Zur Luminale, die am 11. April beginnt, wollen sie ein Denkmal aus etwa 10.000 Glühbirnen errichten. Nicht irgendeins, sondern erklärtermaßen das größte Deutschlands.

Das Denkmal in Form eines Alpengletschers soll ein Offenbacher Gemeinschaftsprojekt sein und jeder, der möchte, kann mitmachen. "Das Projekt lebt von den Menschen", sagt HfG-Absolventin Julia Diehl.

Weil die Glühbirne ein Auslaufmodell ist, soll jeder die Gelegenheit haben, sich davon zu verabschieden. Also sammeln die Macher alte Glühlampen in allen möglichen Formen und Größen. Unter einer Bedingung: "Durchgebrannt müssen sie sein", betont Lutz Jahnke, der ebenfalls an der Hochschule für Gestaltung studiert hat.

Ausgebrannte Birnen gesucht!

Und weil gerade jetzt in der Weihnachtszeit einige durchbrennen - Birnen versteht sich -, hoffen sie auf möglichst viele Spenden. Sogar mit dem Nürnberger Weihnachtsmarkt stünden sie deshalb in Verbindung. "Erweise Deiner Glühbirne die letzte Ehre! Wir machen daraus Kunst", schreiben sie auf einem Handzettel.

Die Glühbirne verabschiedet sich Stück für Stück vom Markt - so hat es die EU beschlossen. Matte Birnen und alle Glühlampen mit einer Leistung von mehr als 75 Watt werden schon jetzt nicht mehr verkauft, danach verschwinden auch Glühbirnen mit geringerer Leistung nach und nach.

"Mit gutem Grund, denn herkömmliche Glühbirnen sind wahrlich keine Leuchten: Sie wandeln nur etwa fünf Prozent ihrer aufgenommenen Energie in Licht um", so das Umweltbundesamt.

Das Birnen-Denkmal erinnert auch an eine Verschwenderin

Das sei bei mehr als sechs Milliarden Glühbirnen weltweit eine ordentliche Verschwendung, meint die Offenbacher Denkmal-Initiative, zu der neben Julia Diehl und Lutz Jahnke auch Emilia Neumann, Leonie Langenstein, Oliver Schick, Teresa Habild, Michael Schumann, Eva Becker und Ulrike Bellmann gehören.

Ob sich die Menschen mit der Energiesparlampe anfreunden können? "Wird unsere Gesellschaft im kalten Licht verrohen?", fragen sie provokativ. Tatsächlich wollen sie aber keine Meinung vorgeben. "Wir wünschen uns, dass sich die Menschen mit dem Thema beschäftigen", sagt Julia Diehl. Deshalb laute ein Untertitel der Aktion auch "Benutze Deine Birne".

Die Gruppe hat liebevoll verrückte Ideen rund um das Thema, mit dem sie durchaus spielerisch umgeht. So soll während der Luminale ein Ballon in Form einer Glühlampe auf dem Aliceplatz in die Höhe steigen. "Es soll so aussehen, als sei sie in den Himmel geschraubt. Von unten kann sie ein- und ausgeschaltet werden", erklärt Leonie Langenstein ihr Vorhaben.

Was sie gemeinsam sonst alles vorhaben - vom Birnenquiz bis zum Trash-Movie - ist im Internet nachzulesen. Die Webseite ist Teil des Projekts. Dort steht auch, wo die Offenbacher ihre durchgebrannten Birnen hinbringen können. Noch reiche der Keller von Lutz Jahnke als Lagerstätte aus, aber das werde und solle so nicht bleiben.

Gesucht sind auch Sponsoren. Gebraucht werden unter anderem Maschendraht, Dachlatten, Nägel und Akkubohrer für den Unterbau des Denkmals, Getränke und Verpflegung in der Zeit, in der es aufgebaut wird (Anfang April). Weil die Installation von unten mit Energiesparlampen beleuchtet werden soll, wird auch noch jemand gesucht, der die Stromkosten übernimmt.

Für den Bau brauchen die Initiatoren eine Genehmigung. Die wird derzeit im Ordnungsamt bearbeitet. Amtsleiter Peter Weigand geht davon aus, dass es grünes Licht geben wird.

Wenn die Luminale zu Ende sein wird, soll das Birnendenkmal nach Möglichkeit nicht im Müll landen. "Wir hoffen, dass sich jemand findet, der das Ding in seinen Garten oder Park stellt", sagt Lutz Jahnke.

www.birnendenkmal.de

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