Lade Inhalte...

Ledermuseum Zwischen Tradition und Moderne

Faszination Marrakesch: Kalligraphien von Hasan Temiztürk und Fotografien von Peter Menne zeigt die neue Ausstellung im Offenbacher Ledermuseum. Sigrid Aldehoff hat sie sich angesehen.

Der 1959 in der Türkei geborene Hasan Temiztürk arbeitet seit 25 Jahren als Kalligraph. Er zeigt traditionelle Schriftkunst, die eigentliche eine arabische Kunst ist, auf neuen Materialien, schreibt Buchstaben oder Allahs Namen auf Blüten, Federn oder Perlmutt. Foto: Rolf Oeser

Als Forum für interkulturelle Begegnungen sieht sich das Deutsche Ledermuseum in Offenbach, "deshalb ist hier eine solche Ausstellung auch möglich", sagt Direktor Christian Rathke.

Von Sonntag an ist die Sammlung "Marrakesch - Zwischen Moderne und 1001 Nacht" zu sehen, die in der Spannung zwischen westlicher und östlicher Sicht steht. Sie kam auf Initiative des Ausländerbeiratsvorsitzenden Abdelkader Rafoud zustande und zeigt zum einen Kalligraphien von Hasan Temiztürk, zum andere Fotografien von Peter Menne.

"Die Arbeiten beider Künstler überschneiden sich nirgends, ergänzen sich aber sehr gut", sagt Rathke. Offenbach habe eine große Gemeinschaft von Marokkanern, auch deshalb passe die Ausstellung gut in das Ledermuseum.

Peter Mennes Lebenslauf ist zunächst sehr seiner deutschen Heimat verhaftet. Der gebürtige Münsteraner arbeitet für die Lokalredaktionen Lörrach und St. Blasien, studiert Germanistik, wird Unternehmens- und Personalberater, hat daneben erste Ausstellungen.

Vor zehn Jahren reiste er dann nach Marokko, schaute sich im Hinterland ebenso um wie in Marrakesch und hielt seine Eindrücke mit der Kamera fest. Im Ledermuseum sind nicht nur Bilder der Wüste und von Oasen zu sehen; der heute in Offenbach lebende Menne hat vor allem die Begegnung von Tradition und Moderne in Marrakesch festgehalten.

Ob es der in traditioneller Tracht gekleidete Wasserträger auf dem Markt Jemaa el Fna ist, der dem modern gekleideten Müllarbeiter eine Wasserschale reicht oder die Jungs mit dem Eselskarren, die inmitten von Autos über einen Boulevard von Marrakesch fahren - Menne zeigt mit farbenprächtigen Bildern die Stadt im Umbruch.

Der 1959 in der Türkei geborene Hasan Temiztürk arbeitet seit 25 Jahren als Kalligraph. Er zeigt traditionelle Schriftkunst, die eigentliche eine arabische Kunst ist, auf neuen Materialien, schreibt Buchstaben oder Allahs Namen auf Blüten, Federn oder Perlmutt.

Diese Arbeiten müssen nicht nur aus künstlerischer Sicht bewältigt werden, sondern ist oftmals auch eine Frage der richtigen Haftung: Denn Perlmutt beispielsweise eignet sich eigentlich nicht als Untergrund für Malereien - sie perlen wieder ab.

"Wenn man die Farben mit Honig anrührt halten sie auch", verrät der Künstler seinen Kniff, den er allerdings auch nicht selbst erfunden hat: "Ich habe mich viel mit Kunstgeschichte beschäftigt und so erfahren, wie man das macht."

Mit seinen Werken möchte er kulturelle Brücken bauen, sagt der in Offenbach lebende und dem Islam sehr verhaftete Künstler. In der islamischen Kunstwelt ist er sehr bekannt, hat auch schon in Dubai ausgestellt. Nicht überall stoße er mit seinen Werken auf so großen Entgegenkommen wie in Offenbach, bedauert Temiztürk, der auch schon im Klingspor-Museum seine Arbeiten gezeigt hat. Bei anderen Städten habe er angefragt, ob Interesse an einer Ausstellung bestünde, "aber oft habe ich nicht einmal eine Antwort bekommen."

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen