Lade Inhalte...

Lauterborn Bagger knabbern an der Kirche

Das frühere evangelische Gotteshaus von Lauterborn wird für Reihenhäuser abgerissen.

Wo jetzt noch ein Stück der früheren Lauterbornkirche steht, sollen mal Familien wohnen. Foto: Renate Hoyer

Die Greifzange packt eine Plastikfolie vom Kirchendach und lässt sie auf den Boden fallen. Als nächstes reißt sie eine Metallummantelung ab, die mit einem leicht rasselnden Geräusch auf die Erde plumpst. Stück für Stück knabbert der Bagger an der früheren Lauterbornkirche in der Richard-Wagner-Straße, die schon gar nicht mehr wie Kirche aussieht. Nur am typischen Waschbeton der 60er Jahre ist das Gebäude noch zu erkennen.

Am gegenüberliegenden Gemeindehaus fehlen bereits die Tür- und Fenstereinfassungen. Metallmüll, Beton und Plastikteile liegen sauber getrennt in kleinen Bergen auf der Geröllfläche, die früher mal ein stark bewachsener Garten war. Bäume und Büsche liegen als Grünschnitt auf der Seite.

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass die Lauterborngemeinde mit einem Abschiedsgottesdienst aus ihrer Kirche auszog, um im Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Gemeinde eine neue Heimstatt zu finden. Weil es immer weniger evangelische Christen im Lauterborn gibt, musste die Kirche das Gebäude aufgeben. Gemeinsam mit der Luther-, der Schlosskirchen- und der Paul-Gerhardt-Gemeinde ist die Lauterborngemeinde inzwischen zur Mirjamgemeinde fusioniert. „Manche Gemeindeglieder tun sich leichter mit dem Umzug als andere. Das hat nichts mit dem Alter zu tun. Besonders die, die sich engagieren, haben sich schnell im neuen Zuhause zurecht gefunden“, berichtet Brigitte Hoßbach, Pfarrerin der früheren Lauterborngemeinde.

Auch alle Gruppen außer der Töpfergruppe sind im Paul-Gerhardt-Haus untergekommen. Die Töpfer haben einen Raum mit Ofen im Theresienheim gefunden. „Wir waren ja eine kleine Gruppe“, gibt Hoßbach zu, „wir haben gewonnen, weil es jetzt ein größeres Angebot gibt.“

Der Seniorenkreis aus der Lauterborngemeinde habe sich inzwischen ebenso den Mitgliedern der anderen Gemeinde geöffnet, wie der Frauenkreis der Paul-Gerhardt-Gemeinde. Die Kinder profitierten am meisten, denn für sie ist jetzt viel mehr los: Es gibt die Kindergruppe, die Pfadfindergruppe, den Girls Club den Kindersamstag und das Ferienprogramm. Dennoch sei es für viele Gemeindeglieder noch schmerzhaft. „Das ist ein unabgeschlossener Abschiedsprozess, aber wir sind nicht bodenlos.“ Mit dem Erlös aus dem Grundstücksverkauf von 1,2 Millionen Euro soll das Paul-Gerhardt-Gemeindehaus umgebaut werden.

Wenn die Abrissbagger ihre Arbeit beendet haben, sind auf dem Grundstück Reihenhäuser geplant. „Wir haben schon über 50 Prozent verkauft“, teilt Otfried Sinner, Geschäftsführer des Unternehmens Traumhaus mit. Er hofft, dass, sobald die Baugenehmigung vorliegt, Ende März mit dem Hochbau begonnen werden kann. Die neuen Eigentümer könnten dann Ende 2014 einziehen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen