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Lärmteppich Strickteppich gegen Fluglärm

Mehrere hundert Menschen setzen mit einer ungewöhnlichen Protestaktion auf dem Wilhelmsplatz in Offenbach ein Zeichen gegen den Fluglärm. Unter freiem Himmel machten sie sich daran, den größten Lärmteppich der Welt zu stricken.

04.03.2012 18:12
Claudia Wenhardt
Offenbacher Demonstranten setzen mit einem "Lärmteppich" ein Zeichen gegen den Fluglärm. Foto: Michael Schick

Mehrere hundert Menschen setzen mit einer ungewöhnlichen Protestaktion auf dem Wilhelmsplatz in Offenbach ein Zeichen gegen den Fluglärm. Unter freiem Himmel machten sie sich daran, den größten Lärmteppich der Welt zu stricken.

Sonntag, 13:05 Uhr: Ein Flugzeug dröhnt lautstark über den Wilhelmsplatz hinweg, während dort gestrickt, gehäkelt, genäht wird was das Zeug hält. Mehrere hundert Menschen sind auf dem Platz zusammengekommen, um mit dem größten sichtbaren Lärmteppich ein Zeichen gegen den Fluglärm durch die neue Frankfurter Flughafenlandebahn Nord-West zu setzen.

„Ich habe die Hoffnung, dass die neue Bahn wieder geschlossen wird“, sagt Renate Schulte-Spechtel, die nun in der Einflugschneise wohnt: „Die Kinder schlafen schlecht, es ist sehr laut und ich mache mir Gedanken über die Schadstoffe.“ Seit Oktober machten sich Dreck und üble Gerüche bemerkbar – und ihre Kinder im Alter von sieben, elf und 14 Jahren stellten sich die Frage, wie das wohl alles erst im Sommer werde.

„Es ist wirklich unerträglich"

Aufgerufen zu der ungewöhnlichen Protestaktion hatten die freie Kulturmanagerin Andrea Ehrig und Anna-Fee Neugebauer vom städtischen Kulturbüro. Sie wollen damit kurz vor der mündlichen Verhandlung des Planfeststellungsverfahrens und des Nachtflugverbots am 13. März in Leipzig noch einmal auf die spürbare Belastung durch den Flughafenausbau aufmerksam machen.

13:07 Uhr, die nächste Maschine donnert über den Wilhelmsplatz. Sonja Wölte und Pascale Dauster nähen gemeinsam mit ihren Kindern Grollmünder und ärgerlich dreinblickende Augen auf gestrickte und gehäkelte Teppichstücke. „Es ist wirklich unerträglich, auch für die Kinder ist es eine Belastung“, sagt Sonja Wölte. „Wir hoffen sehr darauf, dass die Nord-West-Bahn dicht gemacht wird. Ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr ist aber das Mindeste.“

Bereits vorab hatten sich mehrere Strick- und Häkelgruppen für die Aktion zusammengeschlossen, von der Offenbacher Seniorenhilfe über Kleiderläden bis zu Schulen und Kindertagesstätten, via Facebook fanden sich sogar private „Strick-Inns“ zusammen. Viele Protestteilnehmer kamen so schon mit mehreren Quadratmeter großen Strick- und Häkelteppichen auf den Wilhelmsplatz.

463,5 Quadratmeter Strickteppich

13:09 Uhr, der nächste Flieger lärmt. „Wir haben abends zu Hause vor dem Fernseher gestrickt“, sagen die weißhaarigen Damen von der Seniorenhilfe. „Es ist toll, dass die Aktion so viele unterschiedliche Menschen erreicht“, freuen sich die Initiatorinnen Ehrig und Neugebauer.

„Es ist ja nicht nur die Dauerbelastung“, sagt Tanja Sauer. „Die Stadt wird ja sozusagen auf dem Stand heute eingefroren – Siedlungsbeschränkung, soziale Einrichtungen nur noch mit Sondergenehmigungen … das macht die Stadt doch kaputt.“ Auch die Drittklässlerin Clara Teichmann von der Beethovenschule hilft beim Teppich mit: „Wir hören die Flugzeuge auch im Unterricht – Fluglärm gehört sogar zu unserem Schullied.“

463,5 Quadratmeter Strickteppich sind nach guten vier Stunden Arbeit zusammengekommen. Ob das für den geplanten Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde reicht, ist unklar – aber auch zweitrangig. Denn der Protest war aus Sicht der Veranstalterinnen ein voller Erfolg.

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