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Kunst Stimme für jüdische Künstler

Der Künstler Ruben Talberg eröffnet sein privates Museum in Offenbach und funktioniert dafür sein Atelier um. In dem Ort des Kulturdiskurses sind auch Workshops geplant.

Ruben Talberg gründet ein privates Museum für zeitgenössische jüdische Kunst. Foto: Andreas Arnold

Das Hinterhaus in der Ludwigstraße ist von der Straße aus nicht erkennbar. Ein Tor versperrt die Sicht auf den Garten und die ehemalige Schreinerei. Wer Einlass verlangt, muss läuten. Hier hat der Künstler Ruben Talberg sein Atelier. Es besteht aus einem weitläufigen Raum mit Bollerofen und Küchenzeile. An den Wänden hängen seine Kunstwerke, bunt angemalte Rehgeweihe und Werke aus dem Abraxas-Zyklus.

Talberg möchte sein Atelier als privates Museum umfunktionieren. TAMU nennt er es. Ihm geht es darum, seine Kunst zu bewahren und bekanntzumachen. Es soll aber auch ein Ort des Kulturdiskurses sein, wo andere Künstler ausstellen und Lesungen oder Diskussionsrunden stattfinden. Im Garten könnten Sommermalkurse, im Nebengebäude Workshops angeboten werden.

Talberg ist Deutsch-Israeli und sieht sich als jüdischen Künstler. „Das Museum soll zeitgenössischen jüdischen Künstlern eine Stimme geben“, sagt er. Sie sollen in Erscheinung treten; nicht mit folkloristischer Kunst, sondern mit modernen Werken, die sich mit dem Jetzt-Leben auseinandersetzen. Das soll nicht bedeuten, dass sie den Holocaust nicht thematisieren. „Sie sollen nicht drauf festgelegt sein“, sagt Talberg. Er wünscht sich ein jüdisches Museum mit Strahlkraft auf Offenbach und die Rhein-Main-Region.

Anfang 2011 gründete sich ein Freundeskreis, der das TAMU fördert, da es als privates Haus kein öffentliches Geld erhält. Für sein Projekt konnte Talberg Karl-Christian Schelzke, geschäftsführenden Direktor des hessischen Städte- und Gemeindebunds, als Schirmherr gewinnen.

Bekannt durch die Jakobsleiter

In Offenbach wurde Talberg 2009/10 durch seine Pläne zur Jakobsleiter bekannt. Das sollte eine bis 15 Meter hohe Skulptur für den Max-Willner-Platz werden, die als Zeichen gegen Gewalt verstanden werden sollte. Obwohl Talberg einen Sponsor an der Hand hatte, sodass das Werk die Stadt nichts gekostet hätte, wurde es nicht verwirklicht. Die Stadtverordneten hatten im Vorfeld einen Ideenwettbewerb beschlossen. Inzwischen sei der Sponsor abgesprungen, sagt Talberg. Der 1964 in Heidelberg geborene Künstler ist Bildhauer und Maler. Seine abstrakten Arbeiten beziehen sich auf die Kabbala und Alchimie. Die Werke des Abraxas-Zyklus, von dem kürzlich eines für 13 000 Euro versteigert wurde, zeigen nur Rückseiten von gespannten Leinwänden. Klumpen von Teer, Sand und Wachs verbinden sich mit piktogrammartigen Zeichen zu Kollagen. Talberg: „Wie in der Alchimie; das Innere kehrt sich nach außen, das Versteckte wird offenbar.“

Eröffnung des Museums in der Ludwigstraße 151 ist am Dienstag, 14. Juni, um 19 Uhr. Professor Wolfgang Henseler hält die Laudatio. Termine unter tamu@talbergmuseum.net oder 0157/82002180 vereinbaren.

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