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Kunst in Offenbach Rosenheim-Museum am Ende

Der Bernd- und Gisela-Rosenheim-Stiftung geht das Geld aus - und damit ist auch das private Museum in der Parkstraße akut gefährdet. Die Stadt will die Werke aber weiterhin öffentlich präsentieren.

03.06.2011 18:03
Jörg Muthorst
Museumswächter Minotaurus ist machtlos und kann die Schließung nicht verhindern. Foto: Andreas Arnold

Wie ein Menetekel funkelt die Edelstahlskulptur im Licht der Sonne. Minotaurus, Herr der Unterwelt, der seit März vergangenen Jahres das private Rosenheim-Museum im Dreieichpark bewacht, ist handlungsunfähig. Im Mai trennten Unbekannte dem zweieinhalb Meter hohen Stiermenschen die Unterarme ab.

Wie die archaisch-kraftvolle Skulptur, die zu den Hauptwerken des 1931 in Offenbach geborenen Malers und Bildhauers Bernd Rosenheim zählt, umweht auch ihren Schöpfer ein Hauch von Tragik. Das 2008 von der 1993 gegründeten Bernd- und Gisela-Rosenheim-Stiftung eröffnete Rosenheim-Museum in der Parkstraße 60 steht vor dem Aus. Der krönende Abschluss eines jahrzehntelangen Künstlerschaffens scheint gescheitert zu sein.

Das in einer denkmalgeschützten, 1873 erbauten Fabrikantenvilla eingerichtete Museum sollte zeitgenössische Kunst mit Hilfe einer Schausammlung des Rosenheim-Werkes sowie von Wechselausstellungen fördern. Gerade an letzterem, sagen Kritiker, habe es aber gemangelt, um mehr Besucher und damit auch mehr Einnahmen zu gewinnen. Rosenheim habe das Haus zu sehr auf sich bezogen. Drei Viertel der Ausstellungsfläche seien seinen Werken vorbehalten gewesen.

Rosenheim selbst war gestern nicht erreichbar. Zu seinen Kritikern gehört der einstige ehrenamtliche Kurator, der Frankfurter Finanzberater Heinz Meyer. Unterschiedliche Auffassungen zum Konzept des Hauses hatten schon nach einem Jahr zum Bruch zwischen dem Künstler und dem ersten Museumsleiter und Geschäftsführer der Stiftung, Marcus Frings, geführt. Ende Februar trennten sich auch die Wege Rosenheims und Meyers, nachdem, wie Meyer sagt, bereits im Oktober/November absehbar gewesen sei, dass die Stiftung das Haus nicht länger tragen könne, wenn Rosenheim nicht weiter Geld aus seinem Vermögen zuschieße.

Alle Mitarbeiter entlassen

Inzwischen wird die Stiftung immer mehr zu einer „Familienangelegenheit“. Der betriebswirtschaftliche Experte Meyer ist fort und alle Mitarbeiter sind entlassen, darunter Frings’ Nachfolgerin Hanneke Heinemann und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Monika Sauerwald. Die Geschäfte der Stiftung führt jetzt Rosenheims Freundin, die Künstlerwitwe Annamarie Michel-Lindemann. Unter Telefon 06163/ 937404 können mit ihr noch Gruppenführungen vereinbart werden. Ansonsten bleibt das Haus, für das noch 2010 Pläne für ein Museumscafé und einen Skulpturengarten entwickelt wurden, bis auf Weiteres geschlossen.

Wie es nach der Sommerpause weiter geht, ist offen. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Horst Schneider (SPD) ist am Erhalt des Rosenheim-Werks für die Stadt interessiert. Die Idee des Künstlers lasse sich aber nicht umsetzen. Dieser hatte angeboten, die Exponate der Stadt zu schenken, wenn diese das Museum weiter betreibe. Schneider schlug vor, die Kunstwerke im Bernardbau zu verwahren und später in einer eigenen Abteilung des Hauses der Stadtgeschichte auszustellen, wenn Rosenheim dies aus dem Verkauf der von der Stadt in Erbpacht erworbenen Villa finanziere. Die Kommune, die Rosenheim das ehemalige Gebäude des Stadtmuseums zweckgebunden für nur 300000 Euro und einen niedrigen Pachtzins überlassen hatte, will auf die Nutzung Einfluss nehmen. Inzwischen ist ein Unterarm des Minotaurus aufgetaucht. Er wurde auf dem Gelände des Wetterdienstes gefunden. Vielleicht auch das ein Zeichen.

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