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Kunst in Offenbach HFG-Rundgang eröffnet

Beim Rundgang an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach zeigen mehr als 700 Studenten ihre Arbeiten - ausnahmsweise auch in einer alten Fabrik am Kaiserlei.

HfG Rundgang
Die Bühnenbild-Studentin Kim Lotte Stöber läuft über den gedeckten Tisch - beim HfG-Rundgang darf das jeder. Foto: Monika Müller

In der alten Fabrikhalle nahe der Kaiserleibrücke feilen die Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) am Donnerstag noch an ihren Ausstellungobjekten. Am heutigen Freitag um 18 Uhr ist die Eröffnung. Bis Sonntag ist beim HfG-Rundgang Kunst von mehr als 700 Studenten zu sehen.

Heiner Blum, der experimentelle Raumkonzepte an der HfG lehrt, lässt eine Hand durch die Luft in der Fabrikhalle gleiten. „Am liebsten würden wir einfach hierbleiben. Aber nach Sonntag muss alles wieder raus.“

Nur temporär hat der Eigentümer des Gebäudes der Kunsthochschule die frühere Flüchtlingsunterkunft am Nordring 150 zur Verfügung gestellt. In zwei Jahren wird die alte Fabrik abgerissen. An den Wänden erinnern noch Namenszüge und eine Flagge Kurdistans an die früheren Bewohner. 

Die HfG-Studentin Sara Nabil hat das Flüchtlingsthema aufgegriffen – und ihm eine persönliche Note gegeben. Zwei Matratzen, die aussehen, als hätte jemand oft darauf geschlafen, liegen am Boden. Tatsächlich habe Nabil selbst darauf geschlafen, sagt Blum. Sie stamme aus Afghanistan und habe dort eine Galerie für afghanische Künstlerinnen betrieben. Deshalb sei sie bedroht worden, musste fliehen. Wenn man sich auf die Kissen lege, könne man ihre Stimme hören, wie sie über Träume spreche, die sie zu jener Zeit hatte, sagt Blum. Noch sind die Lautsprecher aus. 

Neben den Betten hängen nachgemachte Pässe an der Wand – auch das gehört zu Nabils Arbeit. Die Pässe sollen an die Menschen erinnern, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind. Ein Aquarium mit Sand steht daneben. Besucher können, wenn sie wollen, etwas, was ihnen viel bedeutet, hinwerfen. 

In der weitläufigen Fabrikhalle sind neben experimentellen Raumkonzepten auch Grafikdesign, Malerei und webbasierte Kunst zu sehen – etwa von Faina Yunusova. Die usbekische Videokünstlerin hatte an der Stroganov-Akademie in Moskau studiert, bis sie, wie sie sagt, aus fadenscheinigen Gründen exmatrikuliert worden sei. Sie sei zu kritisch gewesen.

Jetzt studiert Faina Yunusova in Offenbach und macht, wie früher in Moskau, weiter mit ihrem Youtube-Kanal. Mehr als 23 000 Menschen folgen den Beiträgen, bei denen sie Künstler trifft und über Kunst spricht. 

Ortswechsel. Im Hauptgebäude der HfG wummert Technomusik wie in einem Club. Der Raum ist schwarz – vielleicht eine Replik auf den weißen Club Robert Johnson, für den Offenbach bekannt ist? Dachpappe liegt am Boden, es riecht nach Bier, die Luft ist stickig. „Mal sehen, wie viele am Freitagabend hier vergammeln“, sagt die Bühnenbild-Studentin Lucia Bussard. Sie hat den „some club 18“ entworfen. (Hauptgebäude, Bereich Bühnenbild). 

Wer aus dem Club kommt, und ins Freie will, kann beim Kunstprojekt „eggs and brains“ der Bühnenbildner über einen gedeckten Tisch laufen. Das Essen fehlt noch, aber es lässt sich bestellen, per SMS. Auf der Karte stehen unter anderem: Strammer Max, Russische Eier, Mousse au Chocolat. Die Küche oberhalb des Tisches lässt eine Box herunter. Wer sie öffnet findet aber nur – ein Ei. Gastprofessorin Tatjana Ivschina lacht: „Das wird viele natürlich enttäuschen.“ Das Ei sei hartgekocht. 

Hauptgebäude. Zweiter Stock, Raum 201: Der HfG-Student Daniel Maurer hat ein Klapprad entwickelt, das sich zum Lastenrad ausklappen lässt. Das Projekt zur „Zukunft der Mobilität“ wird durch Loewe-Mittel des Landes gefördert. Das Rad habe er unter anderem mit Heizungsrohren und Teilen aus dem 3-D-Drucker zusammengebaut, sagt er. Der Prototyp könne 100 Kilo transportieren. Eine Firma wolle künftig die Fertigung übernehmen. 

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