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Kulturpreis Große Bühne an der Peripherie

Sie schätzen den intimen persönlichen Rahmen. Künstler aus aller Welt geben sich im "Wiener Hof" ein Stelldichein. Jetzt erhält das Lokal mit Bühne im Herzen von Bieber den Kulturpreis der Stadt. Betreiber Reinhard Prekel sieht sich bei dringend nötigen Sanierungen von der Politik im Stich gelassen.

Reinhard Prekel und seine Frau Karin Rohr geben Künstlern eine Bühne. Foto: Monika Müller

Wenn er von „seinen“ Künstlern erzählt, bekommt Reinhard Prekel leuchtende Augen. Der amerikanische Jazzer Ernie Watts, der mit Frank Zappa spielte, „war schon drei oder vier Mal hier“, auch der englische Saxophonist Albie Donnelly, die australische Sängerin Ronnie Taheny. Ebenso erhalten Newcomer wie die Kai Strauss Band im „Wiener Hof“ ihre Chance.

Seit 13 Jahren mischt Prekel in dem Bieberer Traditionslokal mit – zunächst als Kompagnon, seit sechs Jahren als alleiniger Pächter. „Die Kombination von Kultur und Gastronomie hatte ich schon immer im Kopf“, sagt er. Ursprünglich war er Sozialarbeiter.

Prekel hat aus der traditionellen Gaststätte mit Biergarten einen bekannten Veranstaltungsort gemacht, der bei den Künstlern begehrt ist. „Wir haben etwa 2000 Anfragen im Jahr“, erzählt der Chef. Der Saal im ersten Stock fasst maximal 200 Personen. „Viele schätzen gerade diesen kleinen, intimen Rahmen“, sagt er.

Manches wird privat vorfinanziert

40 bis 50 Veranstaltungen werden jährlich gestemmt. Da sich das Haus selbst trägt und ohne Subventionen auskommt, ist das eine Herausforderung. 10 bis 12 Leute verdienen im „Wiener Hof“ ihr Geld, hauptsächlich in der Küche und im Service. Hinzu kommen jene, die sich unentgeltlich engagieren. So kümmert sich etwa ein guter Freund Prekels um die Homepage.

Region und Welt treffen sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Menü: Küchenchef Friedrich Pfeifer bringt Handkäs und indisches Tandoori-Huhn zusammen. Der Pächter geht beim Engagement von Künstlern auch immer wieder Risiken ein, leiht sich Geld von Freunden, um Dinge vorzufinanzieren, von denen nicht sicher ist, ob sie sich amortisieren. Das Preisgeld von 2560 Euro aus dem städtischen Kulturpreis sei deshalb „auch schon wieder ausgegeben“.

Vorschlag an die Stadt

So sehr sich Prekel über die Auszeichnung freut – er hat auch Kritik vorzubringen. Die Stadt ist Eigentümerin des 120 Jahre alten „Wiener Hofes“ und vernachlässige ihre Pflichten beim Unterhalt des Gebäudes, so Prekel. Die Toiletten bereiten ihm Bauchschmerzen. Sie sind zwar noch funktionsfähig, „aber absolut nicht mehr zeitgemäß“, Putz fällt von den Wänden. Seit Jahren tut sich hier nichts.

Prekel weiß natürlich, dass die Stadt kein Geld hat. Er will den zuständigen Mitarbeitern des Liegenschaftsamts auch keinen Vorwurf machen. „Das Ganze ist eher eine politische Entscheidung“, vermutet er. Während in der Innenstadt investiert werde, etwa beim Markthäuschen, „wird die Peripherie leider vernachlässigt“. Bei der Preisverleihung anlässlich des Neujahrsempfangs der Stadt am 16. Januar will Prekel dies zur Sprache bringen. Dabei gehe es ihm nicht in erster Linie um Geld, sondern um Aufmerksamkeit. Und er hat auch schon einen Vorschlag parat: Die Stadt solle doch künftig statt des Büsing-Palais auch einmal den „Wiener Hof“ für Feiern und Empfänge nutzen.

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