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"Körperwelten" in Offenbach Tote in Pose

In Offenbach eröffnet heute die Ausstellung "Körperwelten - Zyklus des Lebens" - mit philosophischer Betreuung. Die Kirchen protestieren - kündigen Mahnwachen an. Von Wiebke Rannenberg

Mit seinen Plastinaten, gefertigt aus menschlichen Leichnamen, kommt Gunther von Hagens zum zweiten Mal ins Rhein-Main-Gebiet. Am Freitag öffnet die Ausstellung "Körperwelten - Zyklus des Lebens" in der neuen Halle K39 in der Innenstadt von Offenbach. Foto: Alex Kraus

Mit seinen Plastinaten, gefertigt aus menschlichen Leichnamen, kommt Gunther von Hagens zum zweiten Mal ins Rhein-Main-Gebiet. Am Freitag öffnet die Ausstellung "Körperwelten - Zyklus des Lebens" in der neuen Halle K39 in der Innenstadt von Offenbach.

Mit der Ausstellung wolle das Team die "Demokratisierung der Anatomie" vorantreiben, sagte die Kuratorin und Ehefrau von von Hagens, Angelina Whalley. Zudem sollten die Besucher dazu gebracht werden, "nicht mehr so sorglos mit ihrem Körper" umzugehen, da sie einen neuen Blick auf ihn erhielten.

Die Plastination ist eine Form der Konservierung von Leichen, die Gunther von Hagens entwickelt hat. Obwohl angekündigt, kam der "Mann mit dem Hut", wie Whalley ihn nannte, nicht selbst, um seine Plastiante den Medienvertretern vorzustellen. Er halte einen Vortrag in der privaten Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin, sagte Whalley.

Seit 15 Jahren stellt von Hagens seine Plastinate aus. Dazu zerschneidet er die Leichname in hauchdünne Scheiben, entnimmt einzelne Organe, präpariert ganze Stränge wie das Nervensystem, klappt die Leichname auf oder bringt sie in Posen aus dem Alltag - das alles stets mit abgezogener Haut.

Die Offenbacher Schau zeigt 28 Ganzkörper-Plastinate

Von diesen Ganzkörperplastinaten sind in Offenbach 28 zu sehen, viele in sportlichen Posen, aber auch als Streitende und im Geschlechtsverkehr. Dabei geizen die Ausstellungsmacher nicht mit großen Worten, an den Wänden hängen Zitate von Philosophen wie Arthur Schopenhauer und Simone de Beauvoir und aus dem Talmud. Gleich zu Beginn sind mehrere Embryonen zu sehen, von wenigen Tagen alt bis hin zu mehreren Monaten.

All das diene der Aufklärung der Menschen über ihren Körper, betonten Whalley und Franz Josef Wetz, der an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd Philosophie lehrt und seit vielen Jahren die "Körperwelten" begleitet.

Die Schau biete eine gute Orientierung auf der Grenze zwischen Körperkultur und Körperkult, sagte Wetz, es könne "an den Toten das Leben studiert werden". In der Ausstellung, die die "Erhabenheit des Körpers" zeige, könnten sich Menschen aller Weltanschauungen wohlfühlen.

Deshalb sei es auch "völlig übertrieben", wenn Vertreter der großen Religionen an jedem neuen Ausstellungsort Kritik übten, sagte Wetz. Oft seien die Proteste "wie Leuchtraketen, die sich aber als Nebelbomben erwiesen". Auch in Offenbach bieten evangelische und katholische Kirche ein "kritisches Begleitprogramm". Es sei nicht möglich, wie manche fordern, die Ausstellungsstücke aus Kunststoff herzustellen. "Das Original fasziniert mehr als die Kopie", sagte Wetz. Whalley wies darauf hin, dass Menschen auch bei Malern die Originale sehen wollten. Wetz räumte aber ein, dass die Posen dazu dienten, die Attraktivität der privatwirtschaftlichen Ausstellung zu steigern.

Whalley sagte, dass die Plastinate ausschließlich von Freiwilligen stammten. Also nicht von Hinrichtungsopfern, wie immer mal wieder behauptet wird. Von diesen Körperspendern habe das Institut für Plastination in Heidelberg bereits mehr als 10 000 noch lebende registriert, die Leichname von 780 verstorbenen Körperspendern gebe es bereits.

Zur Körperspende entschieden hat sich auch die 27-jährige Jennifer Bauer aus Offenbach. Für sie sei der Körper "das wertvollste Gut, das ich habe", und sie halte es für "Verschwendung, wenn man ihn einfach vergräbt".

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