Lade Inhalte...

Klingspor-Museum Ernst Schneider Großer Gestalter, großer Lehrer

Das Klingspor-Museum beschäftigt sich mit einem Schriftkünstler, dessen Einfluss auf das Design des 20. Jahrhunderts weit größer ist als sein Nachruhm – eine neue Ausstellung entdeckt den vielseitigen Ernst Schneidler und sein Werk nun wieder.

Schriften von Ernst Schneidler haben sogar den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft und sind für den Computersatz erhältlich. Foto: Martin Weis

Ganz hinten in der letzten Vitrine der aktuellen Ausstellung des Klingspor-Museums liegt ein Buch, das so ziemlich jeder kennt: Eric Carles weltberühmter Bilderbuchklassiker „Die kleine Raupe Nimmersatt“. Gelernt hat der Deutsch-Amerikaner Carle, der seit 1952 in den USA lebt, bei einem der großen Schriftgestalter und Buchkünstler des 20. Jahrhunderts, Ernst Schneidler.

Dieser ist heute längst nicht mehr so bekannt wie zu Lebzeiten – nun versucht das Offenbacher Museum für internationale Buch- und Schriftkunst mit seiner aktuellen Ausstellung, Schneidler und sein vielfältiges, zeitlos elegantes Werk wieder ins öffentliche Bewusstsein zu holen. Am Sonntag wird die Schau eröffnet.

Obwohl Ernst Schneidler mit seinen prachtvollen, aufs Sorgfältigste gestalteten Büchern und Schrift-Entwürfen vom Beginn seiner Karriere kurz vor dem Ersten Weltkrieg bis zu seinem Tod 1956 Maßstäbe gesetzt hat, war er zeitlebens ein scheuer Mensch. „Es war ihm unangenehm, über seine Arbeit zu reden“, sagt die Stuttgarter Kunsthistorikerin Angela Zieger, die sich intensiv mit Schneidler und seinem Werk beschäftigt und die Offenbacher Schau konzipiert hat. Die Stuttgarter Akademie der Künste und das Klingspor-Museum besitzen große Sammlungen mit Schneidlers Arbeiten.

Lediglich eine einzige Ausstellung – immerhin aber 1953 in New York – war zu seinen Lebzeiten zu sehen. Nie hat er seine Zeichnungen und Aquarelle öffentlich gezeigt oder gar verkauft, trotz vieler Anfragen von Freunden und Galeristen. Die Ausstellung im Erdgeschoss des Büsing-Palais zeigt nun etliche dieser weitgehend unbekannten Bilder und Entwürfe, die eine Ahnung vom Perfektionswillen des Meister-Grafikers geben.

Perfektionistisch bis ins Detail

Hinreißend ist etwa ein Papier mit Fingerübungen. Schneidler probiert hier Variationen der Initialen DVA der Deutschen Verlags-Anstalt. „Vom BG der Bayerischen Gießerei hat er über 500 verschiedene Entwürfe gemacht“, berichtet Zieger. Wie sorgfältig und aufwendig, ja perfektionistisch er arbeitete, lässt etwa das 1912 in Jena erschienene Buch „Deutsche Märchen seit Grimm“ ahnen: Über 90 Entwürfe gibt es allein für das Vorsatzpapier.

Meisterhaft sind auch die 21 Schriften, die der 1882 in Berlin geborene Schneidler im Lauf seines Lebens schuf. Etliche haben sogar den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft und sind heute auch für den Computersatz erhältlich.

Was aber wohl vor allem bleibt, ist der Einfluss, den der Kunsthochschul-Professor hatte. Fast 700 Schüler hatte der als sehr streng, aber auch unkonventionell geltende Lehrer im Laufe seines Lebens. „Jetzt bin ich 83 Jahre alt“, erinnert sich Eric Carle, „und ich denke immer noch mit höchster Verehrung an diesen Menschen, ohne dessen künstlerische Schulung meine Arbeit nicht denkbar ist.“

Buch, Kunst, Schrift: F. H. Ernst Schneidler, Klingspor-Museum Offenbach, Herrnstr. 80, 10. März bis 5. Mai

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen