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Kinder in Offenbach Kindergarten steht unter Polizeischutz

Auch Eltern anderer Religionen schätzen die jüdische Kindertagesstätte in Offenbach, auch wenn sie mit ihren Kindern eine Sicherheitsschleuse mit Wachdienst passieren müssen.

Kinderbetreuung in Offenbach
Die koschere Milch darf beim Frühstück im jüdischen Kindergarten nicht fehlen. Foto: Renate Hoyer

In Israel wird dieser Tage der erste Weizen geerntet. Zeit also, Schawuot zu feiern – eine Art jüdisches Erntedankfest. Auch in Offenbach ist das so. In der Kita der jüdischen Gemeinde in der Kaiserstraße haben die Kinder aus diesem Grund mediterrane Früchte wie Oliven, Datteln, Feigen und Granatäpfel gemalt und mitsamt ihrer hebräischen Bezeichnungen an die Wand des hellen Flures im Kindergarten geklebt. Am Freitag wird dann Schawuot gefeiert – mit Gesang, Bastelei und Käsekuchen für alle. Und natürlich mit jüdischen Geschichten.

„Wir sind offen für alle Familien, die unsere Abläufe akzeptieren“, sagt Rimma Jumaschev, die in dem Kindergarten seit seiner Eröffnung vor zwanzig Jahren arbeitet und ihn seit zehn Jahren leitet. „Unsere Abläufe“, das heißt: Hier werden keine christlichen Feste wie Weihnachten gefeiert, sondern jüdische wie Purim oder Pessach. Auch die jüdische Geschichte lernen die Kinder zwischen drei und sechs Jahren spielerisch kennen und es werden Lieder auf Hebräisch gesungen.

Doch nur etwa ein ein Viertel der 40 Kinder kommt aus jüdischen Familien. Der Rest ist christlich, atheistisch oder muslimisch. Muslimische Eltern schätzten an dem Kindergarten unter anderem, dass es dort kein Schweinefleisch gibt, erzählt der geschäftsführende Vorstand der jüdischen Gemeinde in Offenbach, Henryk Fridman.

Wenn man ein solch friedliches Miteinander der Religionen bereits in der Kita mitbekommen hat, präge das die Art und Weise, wie man später mit anderen Weltanschauungen umgehe, sagte am Dienstag Hessens Integrationsminister Stefan Grüttner  bei einem Besuch der jüdischen Kita zusammen mit Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU). Jüdische Gemeinden setzten sich hessenweit für das friedliche Miteinander der Religionen ein, sagte der Kultusminister.

Zwanzig Jahre nach seiner Gründung ist der kleine jüdische Kindergarten auf dem Gelände der Synagoge in der Offenbacher Kaiserstraße nicht mehr aus der Kita-Landschaft in der Stadt wegzudenken. Doch zur Normalität gehören hier nicht nur Kinder „aus aller Herren Länder“, wie die aus Moldawien stammende Rimma Jumaschev es ausdrückt – sondern auch, dass vor dem Gebäude stets ein Polizeiwagen steht. Und morgens müssen die Kinder mit ihren Eltern eine Sicherheitsschleuse mit Wachdienst passieren.

Von außen ist der Kindergarten kaum als solcher zu erkennen. „Wir wollen die Kita nicht abschotten, aber wir müssen uns einfach schützen“, sagt Fridman. Er sagt aber auch, dass es seinem Eindruck nach in Offenbach weniger offen zur Schau gebrachten Antisemitismus gebe als in anderen Städten. Das sagt er, obwohl Offenbachs Rabbiner Mendel Gurewitz – der mit seinem langen Bart und dem großen schwarzen Hut eine auffällige Erscheinung ist – schon mehrfach auf der Straße angepöbelt wurde. Schlagzeilen machte ein Vorfall vor fünf Jahren im Komm-Einkaufszentrum, woGurewitz von Jugendlichen beleidigt, verfolgt und körperlich bedrängt wurde. Auf Vermittlung der Polizei lud die jüdische Gemeinde die geständigen Täter später ins Gemeindezentrum ein. „Das war ein Aha-Erlebnis“, sagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Offenbach, Alfred Jacoby – und ergänzt: „Das war wirklich gut.“

In der Kita selbst merkt man nichts von den Sicherheitsvorkehrungen. Doch der verfügbare Platz auf dem Gelände der Gemeinde ist beschränkt: So reicht der kleine Spielbereich mit Sandkasten und Spielgerät bis zur Synagoge heran. „Wir würden hier gerne eine Krabbelstube einrichten, aber dafür fehlt uns einfach der Platz“, sagt Henryk Fridman. Und eine Erweiterung außerhalb des Geländes sei wegen der nötigen Sicherheitsmaßnahmen nicht möglich.

Was aber geht, ist eine Erneuerung von innen: Aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der Kita hat der Gemeindevorstand Anfang des Jahres in neue Tische, Stühle und in große neue Spielmöbel aus Holz investiert. 

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