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Jobcenter-Betrug 100000 Euro in die eigene Tasche

Gemeinsame Sache? Ein Sachbearbeiter und ein Kunde der Mainarbeit sollen das Jobcenter um 100 000 Euro betrogen haben. Jetzt müssen sich die beiden Männer vor dem Amtsgericht verantworten.

Um 100 000 Euro wurde das Offenbacher Jobcenter Mainarbeit betrogen. Foto: Michael Schick

Es sind zwei sehr unterschiedliche Typen, die sich am Montag vor dem Amtsgericht wiederbegegnen: Sven S. blickt mit ängstlichen Augen durch seine runden Brillengläser. Das, was der schmale Mann sagt, ist oft kaum zu verstehen. Ramin T. dagegen wirkt selbstbewusst und eloquent, spricht mit klarer, kräftiger Stimme. Gemeinsam sollen sie, so der Vorwurf der Anklage, das kommunale Jobcenter Mainarbeit um mehr als 100000 Euro betrogen haben.

S., der dort als Sachbearbeiter für Hartz-IV-Bezieher arbeitete, soll seinem Kunden T. das Geld zwischen 2006 und 2010 in bar oder per Überweisung ausgezahlt haben. In 81 Einzeltranchen zwischen 200 und 3000 Euro. Er sei in einer Notlage gewesen, sagt S., habe Schulden und Kredite abbezahlen müssen. T. habe ihm Drogen besorgt und ihn so erpressbar gemacht. Neben dem Regelsatz gab es auch immer wieder Sonderzahlungen – für Strom und Gas, Mietrückstände, neue Möbel oder einfach zur Behebung einer „akuten Notlage“.

Mehrfach habe Ramin T. behauptet, das Geld sei nicht auf seinem Konto angekommen. In diesen Fällen wies Sven S. die Beträge noch einmal an – ohne T.s Angaben zu überprüfen. Im Gegenzug will S. von T. „höchstens 3000 Euro“, ein T-Shirt und einen Pullover erhalten haben.

Teure Klamotten und Alkohol ab der Mittagspause

Den Vorwurf, mit Drogen gehandelt zu haben, weist T. energisch zurück, ebenso die Behauptung von S., er habe ihn mit Telefonterror unter Druck gesetzt. T. berichtet stattdessen von eigenen Problemen: Die Wohnung wurde zwangsgeräumt, das Konto gesperrt, der Gerichtsvollzieher stand vor der Tür. Er bestreitet, alle fraglichen Beträge auch erhalten zu haben. Wie viel Geld er genau bekam, könne er nicht sagen. Er habe aber alles ordentlich beantragt und sei davon ausgegangen, dass S. wisse, was er tue. Ehemalige Kollegen berichten von Sven S. Vorliebe für Markenkleidung, teure Uhren und Alkohol schon in der Mittagspause. Das Verhältnis zu Ramin T. sei ungewöhnlich eng gewesen, beide hätten sich geduzt. „Eigentlich hätte er den Fall wegen Befangenheit abgeben müssen“, sagt eine Zeugin. Zuletzt sei T. „beinahe jede Woche“ bei S. gewesen. Der Verdacht der Kollegen führte schließlich zur Überprüfung und Entdeckung. Im August 2010 sei er informiert worden, berichtet Mainarbeit-Geschäftsführer Matthias Schulze-Böing. Von weiteren Betrugsfällen wisse er aber nichts. Was wirklich geschah, muss das Gericht jetzt klären. Der Prozess wird fortgesetzt.

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