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Islam in Offenbach Neubaupläne für Moschee stoßen Debatte an

Die Mevlana-Gemeinde will ein modernes Gebetshaus im Offenbacher Stadtzentrum errichten – die AfD will das verhindern.

Mevlana-Moschee in Offenbach
Noch hat die Mevlana-Moschee in der Sandgasse Hinterhofcharakter – der Neubau an gleicher Stelle soll repräsentativer sein. Foto: Sophie Schüler

„Istanbul meets Offenbach“ steht in der Sandgasse mit bunten Lettern an einer Hauswand. Hier, in Offenbachs ehemaliger Altstadt, wo nur wenige Gebäude die Bombennächte überstanden haben, ist über die Jahre ein kleines türkisches Viertel entstanden – mit Geschäften, Gastronomie und einer Großbäckerei. Mittendrin steht die Moschee der Mevlana-Gemeinde. Von außen ist der zum Gebetshaus umfunktionierte Bau unscheinbar, der Innenraum jedoch ist kunstvoll verziert und bietet Platz für bis zu 500 Menschen. Mevlana möchte an gleicher Stelle nun eine neue Moschee errichten – und in der Stadt wird darüber diskutiert. Die FR erklärt, wer was sagt und was eigentlich geplant ist.

Was genau soll gebaut werden?
Im Internet kursieren mehrere Entwürfe. Allen gemein ist die fast an ein Bürohaus erinnernde eher moderne Gestaltung. Laut dem Referenten von Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP), Jürgen Weil, ist ein Minarett geplant – ohne Kanzel. „Es gab mehrere Umplanungen von mehreren Architekten“, so Weil.

Und warum gibt es Kritik?
Den Kritikern gemein ist, dass sie von künftig mehr Autoverkehr ausgehen und bezweifeln, dass die enge Sandgasse das verträgt. Dabei sagen fast alle, dass sie die konkreten Pläne nicht kennen. Am lautesten poltert die AfD. Deren Fraktion im Offenbacher Stadtparlament lehnt den Neubau ab und hat einen Fragenkatalog dazu an die Stadt geschickt sowie eine Mitteilung an die Presse. Man habe von Anwohnern gehört, die das Projekt nicht wollten. Dazu kämen die Parkplatzsituation und mögliche Lärmbelästigungen. Auf die Frage der FR, ob die AfD auch den Bau einer Kirche dort ablehnen würde, antwortete der Stadtverordnete Hans-Joachim Münd, das sei „nicht Gegenstand der Diskussion“.

Was sagen die anderen Parteien?
Die SPD steht dem Projekt „grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber“, der Neubau müsse sich aber „in die nähere Umgebung einfügen und erforderliche Stellplätze nachweisen“, so der stellvertretende Fraktionsgeschäftsführer Marc Knörnschild. Ähnlich äußerten sich die Grünen. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Oliver Stirböck, sagte, dass Vorschriften „weder ausgehöhlt noch zum Vorwand für vordergründige politische Initiativen genommen“ werden sollten. Die Planung erscheine „optisch eher als Aufwertung“. Der CDU-Stadtverordnete Dominik Mangelmann schlägt wegen der in seinen Augen schlechten Verkehrsanbindung einen Grundstückstausch vor. Grundsätzlich wünscht sich der Architekt jedoch bauliche Veränderungen in der Sandgasse – er hat das einzig verbliebene Fachwerkhaus dort saniert. Die Straße hat einst Marktplatz und Main verbunden. Die Freien Wähler halten die neue Moschee für „nicht realisierbar“ – falls das Haus tatsächlich Raum für 1000 Gläubige biete, was ein Artikel der „Offenbach Post“ nahelegt.

Was sagt die Stadt dazu?
Eine Bauvoranfrage für den Neubau wurde 2016 mit Auflagen positiv beschieden. Demnach dürften dort „maximal 300 Personen“ unterkommen, sagt Referent Weil. Die geplanten 23 Parkplätze reichten bei Normalbetrieb „sicherlich aus“, zumal in der Nähe eine S-Bahn-Station ist.

Ist die Gemeinde bekannt?
Mevlana unterhält seit 1984 ein Gebetshaus in der Stadt und ist Mitglied der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs“ (IGMG), die seit langem vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die Predigten werden auf Türkisch gehalten. Dem Integrationsbeauftragten Luigi Masala zufolge wurde wegen Lärms ein Runder Tisch eingerichtet, der aber nur bei Bedarf zusammenkomme und „seit Jahren“ nicht mehr getagt habe.

Und was sagt die Gemeinde?
Für Anwohner gab es einen Infoabend. Gegenüber der Presse gibt sich die Gemeinde jedoch zugeknöpft. Der Sprecher von Mevlana, Muhsin Senol, hat auch nach mehrmaliger Nachfrage in acht Tagen nicht auf die Fragen der FR geantwortet. Er habe gerade viel zu tun, sagte Senol.

Und wie geht es jetzt weiter?
Referent Weil sagt: „Jetzt ist der Bauherr am Zug. Wenn er will, kann er einen entsprechenden Bauantrag einreichen.“

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