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Irritierende Schriftzüge

Kunstinstallation lenkt den Blick auf die Arkadengänge des Büsingpalais

21.04.2012 23:51
Jörg Muthorst
Wortspiel mit Weite und Enge: Corinna Krebber. Foto: Monika Müller

Man stolpert nicht gerade über diese Kunstwerke, begegnet ihnen eher zufällig beim Durchqueren des von zwei Arkadengängen gesäumten Hofes im Büsingpalais. Die reliefartig an ihren Stirnseiten in den Mauerputz eingelassenen Schriftzüge sind gewissermaßen Randerscheinungen, man könnte auch sagen: Randbemerkungen.

Kunst en passant, die ein wenig irritiert, weil sich ihre Aussage nicht über den kurzen Leseversuch erschließt und die genau dadurch den Blick wieder mehr auf die aus dem öffentlichen Bewusstsein gerückten Arkaden lenkt.

Die in Eisen gefrästen Wortzeilen im geometrisch-plastischen Schrifttyp hat die Frankfurter Schrift- und Buchkünstlerin Corinna Krebber im Auftrag des Forums Kultur und mit finanzieller Unterstützung der städtischen Sparkasse geformt.

Sie bestehen aus Doppelbegriffen, die in ihrem Wechselbezug zwischen einem allgemeinen Begriff und seiner konkreten Ausformung oder, wie die gelernte Architektin das nennt, zwischen „Weite und Enge“ , die Waage halten.

„Wortundsinn“, „Gedankenundform“, „Bildundtiefe“, „Spracheundbegriff“ : Die miteinander verschmolzenen Termini signalisieren für Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums, in ihrer „stillen Beredsamkeit“ das Zusammenspiel der verschiedenen Kultureinrichtungen unter dem Dach des von Ralph Philipp Ziegler geleiteten Forums.

Dabei beziehen sich die etwa ein Meter langen, eisernen Schriftkörper nicht nur auf die nach dem Krieg wiedererstandene neubarocke Architektur des Büsingpalais. Sie stellen auch eine gedankliche Verbindung her zu den zahlreichen Kulturveranstaltungen in Palais und Hof sowie zu den beiden Kulturinstituten, dem Schriftkunstmuseum und der Stadtbibliothek in den beiden Flügeln des Palais, die die Arkaden flankieren.

Wenn sie nicht gerade im „Dornröschenschlaf“ (Krebber) versunken sind, werden diese schönen „Wandelgänge“, wie Ziegler sie nennt, bei Open-air-Veranstaltungen im Hof allenfalls als Lagerflächen missbraucht. „Kleine Momente der Innerlichkeit“ zu schaffen, so Soltek, die Arkaden und mit ihnen den Hof neu wahrzunehmen und zu begreifen, wie Krebber sagt, ist die Intension der installierten Textzeilen.

Bänke wären gut

Wünschenswert, so der Museumsleiter, wäre es, nicht nur die Wahrnehmung des Ortes, sondern auch die „Aufenthaltsqualität“ unter den Gewölben zu erhöhen.

Im Sinne der künstlerischen Installation ließe sich dieser abstrakte Oberbegriff ganz einfach auf eine denkbare Verwirklichung konkretisieren: Unter den Arkaden fehlen „Bänke“.

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