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Integrationspreis Damit der Glaube nicht mehr trennt

Ein Reli-Unterricht für alle - Protestanten, Muslime, Katholiken, Atheisten. An der Theodor-Heuss-Schule parktiziert man das seit acht Jahren und macht gute Erfahrungen. Das Projekt wird jetzt mit dem Integrationspreis der Stadt ausgezeichnet.

Pfarrerin Carolin Simon-Winter (vorne) mit Schülerinnen und Schülern der 11. Klasse. Foto: Renate Hoyer

Die meisten Schüler machen in ihrem Religionsunterricht vor allem die Erfahrung, dass Glaube trennt. Hier werden sie fein säuberlich nach Konfessionen aufgeteilt. An der Theodor-Heuss-Schule läuft das in der elften Jahrgangsstufe anders. 2006 haben die evangelische Pfarrerin Carolin Simon-Winter, die muslimische Theologin Goncha Aydin und der katholische Religionslehrer Burkhard Rosskothen das Projekt „Verschiedenheit achten - Gemeinschaft stärken“ ins Leben gerufen.

Sie entwickelten ein Curriculum, in dem die Schüler unterschiedlichen Glaubens gemeinsam in Religion unterrichtet werden. Die verschiedenen Konfessionen werden dabei ebenso vorgestellt wie die Gemeinsamkeiten, Toleranz und Respekt stehen im Vordergrund. Das Projekt wird in diesem Jahr mit dem Integrationspreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet.

Blick über den Gartenzaun

„Natürlich kennt jeder den Begriff Toleranz, aber so detailliert wie hier im Unterricht habe ich bisher noch nicht darüber nachgedacht“, sagt Schülerin Sabina Karim. „Ich finde es genial, dass der gemeinsame Unterricht hier angeboten wird“, sagt ihr Mitschüler Niklas Krüger-Kling. Erst sei er skeptisch gewesen, aber schon jetzt habe er die Religionen besser kennen gelernt. Sibela Drndic findet besonders die geschichtlichen Aspekte interessant. „Vorher hatte ich gedacht, dass sich die Konfessionen immer gehasst haben, aber hier lernen wir, dass es viele Beispiele gab, wo das friedliche Zusammenleben funktioniert hat.“

Nicht selten ist der Unterricht für die Jugendlichen so beeindruckend, dass sie sich auch in der 12. Jahrgangsstufe, wo es wieder getrennten Religionsunterricht gibt, „bunt durcheinander mischen“, wie Carolin Simon-Winter sagt. „Ich habe in evangelischer Religion drei Muslime gehabt, die sich in dem Fach auch für das Abitur haben prüfen lassen“, erzählt sie. Nicht, weil sie erwogen hätten, zu konvertieren, „sie wollten es einfach nur wissen und haben sich dafür interessiert.“

Mut zur eigenen Position

Gegen die neue Form des Religionsunterrichtes habe es nie wirklichen Widerstand gegeben, erzählen Winter, Aydin und Blume. Als die Schule 2011 den Hildegard-Hamm-Brücher Förderpreis für ihr Projekt bekam, sei eine Delegation der Schule mit Vertretern 50 anderer Schulen aus ganz Deutschland in Tutzing zusammen gekommen. „Alle haben sich gewundert, dass wir hier keine Probleme damit haben“, erzählt Goncha Aydin.

Das Projekt lebe davon, dass es gut an die Schule passe. „Unsere Schüler haben sich plötzlich im Religionsunterricht wiedergefunden“, sagt Carolin Simon-Winter. Alle Lehrer ermutigen die Schüler, sich zu positionieren und zur eigenen Religion zu stehen, fordern aber auch Wissen und Toleranz. „Aber auch wir Lehrer stehen zu unseren unterschiedlichen Positionen und leben ihnen vor, dass wir trotzdem gut gemeinsam unterrichten können.“ Auch sie haben neue Erfahrungen gemacht: „Ich war nie so evangelisch wie in diesem Unterricht“ , sagt Simon-Winter.

An anderen Schulen scheitere der gemeinsame Unterricht vielleicht schon daran, dass es keine muslimische Theologen gebe oder niemanden, der den Atheismus abdecken könne, sagt Ethiklehrerin Pia Blume. Aber auch die Schulleitung müsse dahinter stehen, wie es an ihrer Schule der Fall sei.

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