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IG Metall Warnstreiks allerorten

Hunderte in der Metall- und Elektroindustrie Beschäftigte gehen auf die Straße, um von ihren Arbeitgebern mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten einzufordern.

IG Metall
Marita Weber und Wolfgang Lemb von der IG Metall (vorne) führten die Demo in Waldhof an. Foto: Renate Hoyer

Dass Offenbach immer noch eine Industriestadt ist, ließ sich ganz gut am Dienstag beobachten, als dort Hunderte in der Metall- und Elektroindustrie Beschäftigte auf die Straße gingen, um von ihren Arbeitgebern mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten einzufordern. Die bundesweiten Warnstreiks der IG Metall sind nach ersten Aktionen am Montag – unter anderem in Frankfurt und Obertshausen – am Dienstag somit flächendeckend auch in Hessen angekommen. In ganz Deutschland beteiligten sich laut Schätzungen der IG Metall in dieser Woche bereits über 20 000 Menschen an den Protesten.

Rund 500 waren es über den Tag verteilt in Offenbach – vor allem Angestellte des Automobilzulieferers GKN Driveline, der inklusive Leiharbeitern laut IG Metall rund 1 900 Menschen in der Stadt beschäftigt, aber auch Beschäftigte der Betriebe Tecsis, Mato und Dematic. Im Stadtteil Waldhof hatte die IG Metall morgens eine Demo samt Kundgebung organisiert, eine weitere Kundgebung gab es nachmittags vor dem GKN-Werk an der Mühlheimer Straße. Vor dem Haupteingang symbolisierte ein großer aufgeblasener Wecker eine der Kernforderungen der aktuellen Tarifrunde: einen Rechtsanspruch auf die befristete Reduzierung der Wochenarbeitszeit, gekoppelt mit Zuschüssen etwa für Eltern. Glänzende rote Luftballons in Form der Zahl Sechs standen für die zweite Forderung: sechs Prozent mehr Geld.

„Das Thema Zeit hat heute bei vielen Beschäftigten einen deutlich höheren Stellenwert als noch vor ein paar Jahren“, sagt IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb während des Warnstreiks der Spätschicht bei GKN Driveline. Für mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit zu sorgen, damit sich Arbeit und Familie besser vereinbaren ließen, sei eine „Frage des gesellschaftlichen Fortschritts“. Die von den Arbeitgebern im Dezember vorgeschlagenen zwei Prozent mehr Geld für 15 Monate bezeichnet Lemb vor etwa hundert Streikenden angesichts der guten Auftragslage in der Branche als „nicht angemessen“.

Rund 2500 Euro brutto verdiene ein durchschnittlicher Maschinen- und Anlagenführer bei GKN Driveline für 35 Stunden Arbeit in der Woche, erzählt ein Streikender am Rande der Kundgebung. Es gebe aber Phasen mit vielen Überstunden, zudem müsse man regelmäßig am Wochenende arbeiten. „Vereinbarkeit mit der Familie? Kannste vergessen!“, so der junge Mann. Die Forderungen der Gewerkschaft unterstützt er deshalb voll.

Die Proteste gehen derweil weiter – auch in der Region: Am heutigen Mittwoch etwa bei dem Druckmaschinenhersteller Manroland in Offenbach und bei dem Obertshausener Automobilzulieferer Feintools. Wenn sich die Arbeitgeberverbände nicht bewegten, setze man „notfalls“ auf „längere Streiks“, warnte IG-Metaller Wolfgang Lemb bei der Kundgebung am Dienstag.

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