Lade Inhalte...

Haus der Stadtgeschichte Offenbach 1000 Kilo Dauerleihgabe

Eine historische Druckmaschine aus dem traditionsreichen Musikhaus André in Offenbach kommt ins Museum - leicht gesagt, schwer getan. Denn das Ding wiegt eine Tonne.

Wer eine 1000 Kilogramm schwere Druckmaschine aus dem 2. Stock durchs Fenster hieven will, braucht Erfahrung, Ruhe und Fingerspitzengefühl. Am Dienstag ging eine 105 Jahre alte Buchschnelldruckpresse des Herstellers Johannisberg aus dem Offenbacher Musikhaus André auf die Reise ins Haus der Stadtgeschichte - dort ist sie nun Dauerleihgabe der Familie André. Foto: Christoph Boeckheler

Der Job ist nichts für hektische Grobmotoriker: Wer eine 1000 Kilogramm schwere Druckmaschine aus dem 2. Stock durchs Fenster hieven will, braucht Erfahrung, Ruhe und Fingerspitzengefühl.

Das haben Willi Brandenburger, Mitarbeiter der auf Druckmaschinen spezialisierten Frankfurter Firma Heinrich Baumann, und Willi Fuhr, der beim Transportunternehmen Weisel angestellt ist. Gemeinsam mit vier Kollegen haben sie am Dienstag eine 105 Jahre alte Buchschnelldruckpresse des Herstellers Johannisberg aus dem Offenbacher Musikhaus André abtransportiert.

Auge in Auge stehen sie sich am Vormittag in luftiger Höhe gegenüber, Fuhr auf der am Haken eines Spezialhubwagens schwebenden Transportbühne, Brandenburger im Treppenhaus des Anbaus an das Musikhaus André, zwischen ihnen das tonnenschwere Industrie-Relikt. Die Maschine war eine von mehreren, auf denen der Urgroßvater des heutigen Besitzers Hans-Jörg André von 1904 an vor allem Noten für seinen Musikverlag drucken ließ.

Seit den 50er Jahren im Dornröschenschlaf

"Die Maschine kenne ich von klein auf", erzählt André in dem ehemaligen Drucker-Kämmerchen, "da habe ich als Kind noch am Rad rumgedreht." Bis in die 50er Jahre wurde sie genutzt, dann versank die Maschine samt Zubehör in einen Dornröschenschlaf.

Weil der 48-Jährige zum einen den Raum für die Service-Werkstatt seines Musikhauses braucht, andererseits aber auch als siebte Generation nach dem alten Notenverleger Johann Anton André entsprechendes Traditionsbewusstsein aufbringt, hat er die Maschine als Dauerleihgabe dem Haus für Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt.

Dort will sie Kurator Markus Frings gemeinsam mit der Grafischen Werkstatt für Technik und Kunst Offenbach als Herzstück der geplanten Industrieabteilung mit dem Schwerpunkt Druckgeschichte zeigen und wieder drucken lassen.

"Als wir die Tür rausbrechen mussten, hat er gleich zugestimmt"

Viel Logistik und Manpower waren nötig, um die Maschine aus dem Haus zu bekommen. Die Firma Baumann organisierte in Kooperation mit der Internationalen Senefelder-Stiftung den kostenfreien Transport, auch André war zu weiteren Opfern bereit. "Ich fand das sehr souverän von ihm," sagt Markus Frings, "als wir für den Abtransport die Tür rausbrechen mussten, hat er gleich zugestimmt." Auch ein gutes Stück Mauer musste weichen, damit Willi Brandenburger und seine Kollegen die Maschine bis vor das Treppenhausfenster wuchten konnten.

Auf einem gut gefetteten Schlitten rutschte sie dann gestern stückweise der draußen hängenden Transportbühne entgegen, immer wieder von Hydraulikhebern neu in Gang gesetzt. Gute zweieinhalb Stunden dauerte es, bis sie dann auf dem Boden im Hinterhof aufsetzte.

Jetzt macht sie einen Zwischenstopp bei der Firma Baumann, wo Willi Brandenburger sie reinigt und wieder in Schwung bringt, bevor sie nächstes Jahr im Haus der Stadtgeschichte gezeigt wird. Und nach diesem langen Vormittag kann dessen Leiter Jürgen Eichenauer wohl sicher sein, dass Hans-Jörg André die Dauerleihgabe nie wieder zurückhaben möchte.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen