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Haus der Stadtgeschichte Die Kunst und ihre Helden

Die Offenbacher Malerin Katja M. Schneider zeigt im Haus der Stadtgeschichte ihre von Sport-Pressefotos inspirierten Gemälde - dass hier auch Männer weinen dürfen, fasziniert sie. Von Stephen Wolf

05.03.2010 00:03
Stephen Wolf
Die Offenbacher Malerin Katja M. Schneider lässt sich von Sportfotos inspirieren. Von Sonntag an sind ihre Bilder im Haus der Stadtgeschichte zu sehen. Foto: Christoph Boeckheler

Helden. So schlicht und doch ergreifend nennt die Offenbacher Künstlerin Katja M. Schneider ihre aktuellen Werke. Der Malerin, die 1966 in Braunschweig geboren wurde und seit Jahren in der Matofabrik an der Bieberer Straße arbeitet, dienen vor allem Sport-Pressebilder zur Inspiration.

Die großflächigen Bilder zeigen beispielsweise Fußballer in einer durch Kampf bestimmten Szene, in ihren farbigen Collagen zeigt die Malerin aber auch den Jubel des Siegers und die Trauer des Unterlegenen. Auf das Thema stieß sie 2006, als die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland stattfand.

Damals sei ihr mit einem Schlag klargeworden, wie sehr sich viele Menschen nach den Helden sehnen, erinnert sich die Malerin. Der Sport, in Deutschland vor allem der Fußball, böte eben auch die Gelegenheit sowohl für die Akteure auf dem Rasen als auch auf der Zuschauertribüne, hemmungslos Emotionen zu zeigen. "Wo sieht man schon Männer weinen?" Eigentlich nur im Fußball.

Wo Männer weinen

Auch das freudige Tätscheln, die Umarmung sowie die grenzenlose Enttäuschung, kombiniert mit offener Aggression, seien nur im Sport zu sehen.

Seit Ende der 90er Jahren lebt die Tochter einer finnischen Mutter und eines deutschen Vaters in Offenbach. "Mir gefallen das Unfertige und die Vielfältigkeit der Stadt", berichtet Schneider. Während sie noch vor einigen Jahren vorwiegend an abstrakten Bilder und an Installationen arbeitete, hatte sie während der WM 2006 mit den Sportbildern wieder angefangen, klar erkennbare Figuren zu malen. "Das war eine Riesenentscheidung, schließlich hatte ich nach 15 Jahren künstlerisch wieder zu einer Bildsprache gefunden, die ich die ganze Zeit über abgelehnt hatte."

Was sind eigentlich Helden?

Bei Diskussionen habe sie wiederholt festgestellt, dass die Definition des "Helden" durchaus unterschiedlich ausfallen kann. So habe sie jüngst mit einem 81 Jahre alten Mann diskutiert, der als Soldat im Krieg war. "Er war darüber empört, dass beispielsweise ein Rennfahrer als Held bezeichnet wird, denn aus seiner Sicht ist jemand ein Held, der beispielsweise einen verwundeten Kameraden trotz großen Risikos aus der Gefahrenzone rettet, nicht aber ein Sportler", berichtet die Frau, die von 1987 bis 1994 an der Kunsthochschule Kassel studiert hat.

Die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Helden ist daher bewusst auch ein Spiel mit Widersprüchen. Sport-Fans dürften indes nicht immer begeistert über die Darstellungen ihrer Helden sein, zumal etwa die Fußballspieler auf den Bildern in grellen T-Shirts, mitunter in fast homoerotischer Pose zu sehen sind.

"Es besteht aus meiner Sicht in der Öffentlichkeit tatsächlich ein übergroßes Bedürfnis nach Helden. Ich versuche, meine eigenen Beobachtungen in einer gewissen Bildsprache auszudrücken", sagt sie. Wer die Hysterie bei der WM vor fast vier Jahren als kurzzeitiges Phänomen abtut, dem gibt Katja M. Schneider ein weiteres Beispiel moderner Heldenverehrung: Der Suizid des Nationaltorwarts Robert Enke ist für sie ein weiterer Beleg. "Die Menschen waren im ganzen Land ergriffen, der Sarg im Stadion war ein starkes Symbol moderner Heldenverehrung unserer Zeit", sagt die Wahl-Offenbacherin.

Die Werke, die kämpfende, gefeierte oder gefallene Helden zeigen, erstellt Schneider in einem komplizierten Collage-Verfahren. Am Ende stehen in Acryl gemalte "spannungsreiche Kompositionen mit betonten Linien, neutralen Farbflächen und ausmodellierten Gliedmaßen", wie etwa Marcus Frings schreibt.

Der Kurator des Offenbacher Hauses der Stadtgeschichte hat sich mit den Werken der Künstlerin auseinandergesetzt. Dass die Auseinandersetzung mit dem modernen Heldentum manchen Besucher im Haus der Stadtgeschichte auch irritieren könnte, damit rechnet die Künstlerin selbst.

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