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Gegen die Verlärmung

Offenbach 4000 Bürger protestieren in einer Menschenkette gegen den Flughafenausbau

Es war eine Mischung zwischen Demonstration und Happening, als sich am Samstag rund 4000 Menschen in Offenbach zur Menschenkette gegen Fluglärm und die Erweiterung des Flughafens aufreihten. Anlass war die für Oktober terminierte Inbetriebnahme der neuen Landebahn.

Die Menschen aus der Stadt und ihrer Umgebung, die entlang des rot-weißen Flatterbandes zwischen Dreieichpark und Finanzamt protestierten, waren keine Wutbürger, keine zum Aufmischen bereiten Freaks. Wer hier mit Unterstützung von Parteien und Kirchen sein Recht vor allem auch auf Nachtruhe einforderte, gehörte nahezu ausschließlich dem breiten Spektrum des bürgerlichen Lagers an. Jugendliche waren nur vereinzelt da.

„Die Stadt hat sich toll entwickelt, aber wer kann, wandert doch wieder ab, wenn die neue Landebahn in Betrieb geht“, sagt Maud Möller, die sich an der Bismarckstraße eingereiht hat und fügt an: „Das bedeutet doch eine unerträgliche Belastung für die Leute, die die Stadt lieben und bleiben wollen.“ Auch Michaela Gutmann sieht die Zukunft der Stadt gefährdet: „Offenbach hat doch keine Entwicklungsmöglichkeit mehr, wenn hier keine sozialen Einrichtungen mehr innerhalb der Lärmschutzzone gebaut werden dürfen. Was soll dann aus der Stadt noch werden außer einem großen Slum?“

Christian Morton-Finger ist mit seiner Familie und Freunden zur Menschenkette gekommen. Mit dabei ist auch die achtjährige Josefine. Oberbürgermeister Horst Schneider läuft zufrieden die Menschenkette entlang. „Offenbach lebt!“ ruft er angesichts der mittlerweile geschlossenen Reihe. Zufrieden ist auch Wilhelm Uhl, als er vor dem Hauptbahnhof steht. „Wir sind richtig gut, oder?“ Der frühere Präsident des Amtsgerichtes ist einer der privaten Initiatoren der Aktion.

Oft hätten ihn die Leute auf dem Wochenmarkt gefragt, warum der Protest denn so spät in die Öffentlichkeit getragen werde. Seine Antwort, dass über die neue Landebahn beim Bundesverwaltungsgerichtshof in Leipzig noch nicht entschieden sei, hätten die Leute nur mit Gelächter quittiert. „Die Menschen glauben nicht mal mehr an die dritte Gewalt im Staat und wir wundern uns, dass kaum jemand zur Wahl geht.“

In Richtung Dreieichpark steht Ulrike Tanner aus Rumpenheim. „Dort ist noch nicht so viel Lärm, – aber ich bin heute auch hier, um die Offenbacher zu unterstützen.“ Neben ihr ist Anna Kitzinger, die aus Protest gegen den Fluglärm seit 1970 nicht mehr fliegt. „Da muss man konsequent sein.“

Unterdessen radeln Ordner die Reihe entlang, laden zur anschließenden Kundgebung in den Dreieichpark ein. Dort bemüht sich Stadtrat Paul-Gerhard Weiß um Optimismus: „Wir setzen heute ein sichtbares Zeichen gegen die flächendeckende Verlärmung der Region und einer ganzen Großstadt“, ruft er in die Menge, „das Gericht wird die Landesregierung zurückpfeifen – Offenbach ist nicht der Lärmabfalleimer der Republik.“

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