Lade Inhalte...

Fechterin Helene Mayer Mit elegantem Florett

Ihr olympisches Gold in Amsterdam machte Helene Mayer 1928 zur bekanntesten deutschen Sportlerin. Doch das schützte die Jüdin nicht vor dem NS-Regime. Den Völkermord überlebte die Offenbacherin in den USA. Im Dezember wäre ihr 100. Geburtstag.

01.11.2010 14:01
Angelika Ohliger
Helene Mayers Florett und Medaille sind in der Ausstellung zu sehen. Foto: Joachim Storch

Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Frau, vielleicht Mitte 30. Sie hält das Florett so vor das Gesicht, dass es wirkt, als sei es in zwei Hälften geteilt: eine im Licht und eine im Schatten. Das Bild passt zum Leben der Frau. Helene Mayer war eine umjubelte und erfolgreiche Fechterin, doch als Sportlerin jüdischer Herkunft musste sie im Leben auch mit vielen Hindernissen kämpfen.

Helene Mayer wurde am 20. Dezember 1910 in Offenbach geboren. Ihr Vater war der jüdische Arzt Ludwig Mayer, Mutter Ida kam aus einer evangelischen Familie. Das wohlbehütete Mädchen war sehr sportlich. Fechtlehrer Arturo Gazzera vom Offenbacher Fechtclub fand ihre wahre Begabung heraus. Schon mit 14 Jahren wurde sie deutsche Vizemeisterin, zwischen 1925 und 1930 hintereinander Erste. „Die blonde He“, so ihr Spitzname, hatte damals stets die langen Haare zu zwei Brezelzöpfen geflochten. Ein breites weißes Stirnband war ihr zusätzliches Erkennungszeichen. Ein Briefmarke aus dem Jahr 1968 bildete die Fechterin genau so ab.

Helene war noch Schülerin, als sie 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam antrat und mit dem Florett die Goldmedaille erfocht. Danach wurde sie so populär, dass man überall in Deutschland kleine Gipsfiguren kaufen konnte, die das Mädchen aus Offenbach darstellten. „Helene Mayer war in der damaligen Zeit das, was Steffi Graf in den 80ern war“, sagt Alexander Knöß vom Sportbüro, das zusammen mit dem Stadtarchiv Ausstellung und Veranstaltungen zum 100. Geburtstag organisiert.

Helene Mayer geriet in die Wirren des Nationalsozialismus. Selbst im fernen Amerika, wo sie seit 1932 ein Stipendium an einem College in Claremont (Kalifornien) hatte, habe sie „den harten Kurs der antisemitischen NS-Politik“ gespürt, stellt Stadtarchivarin Anjali Pujari fest. In mehreren Dokumentationen ist zu lesen, der Fechtclub Offenbach habe Mayer 1933 aus dem Verein ausgeschlossen. Fechtclub-Präsident Waldemar Krug kann dafür aber im Vereinsarchiv keinen Beleg finden. Mayer blieb in den USA, trat aber bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin für Deutschland an. Sie holte Silber.

Sie erlebte noch viele sportliche Erfolge, wurde 1940 amerikanische Staatsbürgerin und achtmal amerikanische Fechtmeisterin. 1952 kehrte sie nach Deutschland zurück und heiratete einen Bauingenieur. Das Glück währte nicht lange. Helene Mayer starb am 15. Oktober 1953 im Alter von nur 42 Jahren an Brustkrebs.

Anjali Pujari hat eine Reihe von Leihgaben zusammengetragen, die an die Ausnahmesportlerin erinnern sollen. Ihr Trainings-Florett kommt aus dem Sportmuseum in Berlin. Die Original-Goldmedaille gab der Universitäts-Fechtclub in Frankfurt dazu. Von Erika Mayer, der Schwägerin Helenes, bekam Pujari Fotos, Urkunden und eine Schreibmappe.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen