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ESO Wunderwaffe gegen Kaugummi

"Noch ist es ein Versuch, aber mit den ersten Ergebnissen sind wir sehr zufrieden", sagt ESO-Geschäftsführer Peter Walther. Die teure Wunderwaffe heißt Wasserdampf. Von Maurice Farrouh

23.10.2009 00:10
Maurice Farrouh
Tausende von Kaugummis kleben zwischen Kaiserstraße und Marktplatz fest - und manch einer bleibt an ihnen hängen. Entfernen lassen sich die ekelhaften Flecken nur außerordentlich schwer - bisher. Jetzt rückt die ESO ihnen mit heißem Dampf zuleibe. Foto: dpa

Weiße Dampfschwaden ziehen durch die Fußgängerzone. Einige Passanten, denen das offenbar nicht geheuer ist, machen lieber einen Bogen. Andere kommen näher und beobachten neugierig die Männer in den neongelben Overalls, die mit ihren Dampf spuckenden Lanzen das Straßenpflaster bearbeiten.

Wo der Wasserdampf mit hohem Druck auf das Pflaster trifft, wird er zu einer schwarzen Brühe, die den Arbeitern auf Stiefel und Hosen spritzt. Zurück bleibt ein Belag, der deutlich heller ist als noch vor wenigen Minuten - und ohne die Kaugummiflecken, die sich zwischen Kaiserstraße und Marktplatz zu Tausenden durch die Fußgängerzone ziehen.

"Noch ist es ein Versuch, aber mit den ersten Ergebnissen sind wir sehr zufrieden", sagt Peter Walther, kaufmännischer Geschäftsführer des Eigenbetriebs ESO. Seit Montag sind sechs Mitarbeiter mit den Wasserdampfreinigern in der Fußgängerzone, der Frankfurter Straße, zugange.

Die Männer, die in den Morgenstunden zwischen fünf und halb zehn arbeiten, um Einkäufer und Gewerbetreibende nicht zu stören, gehören zur privaten Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ODG. Von ihr lässt die ESO in den nächsten Wochen 1000 Quadratmeter in der Fußgängerzone reinigen. Kosten: 25.000 bis 30.000 Euro.

"Wir haben uns bewusst nach einer hochwertigen und gleichzeitig materialschonenden Lösung umgesehen", sagt Walther. Seit Jahren sind die Kaugummiflecken der Stadt ein Dorn im Auge. Doch bislang scheiterten alle getesteten Entfernungsverfahren in der Praxis; waren entweder unwirksam, zu teuer oder schädlich für das Pflaster. "Das Wasserdampfverfahren kommt ohne chemische Reinigungsmittel aus", sagt ODG-Chefin Ursula Ölcer. Dadurch sei es sowohl umweltschonend als auch sanft zum Straßenbelag.

Mühsame Arbeit

Auch im Wasserverbrauch sei die Methode sehr sparsam, so Ölcer. 1200 Liter fasst der Wassertank, an den die tragbaren Drucklanzen angeschlossen werden. Das reicht für etwas mehr als einen Tag. Wie schnell die Arbeiter vorankommen, hängt von der Intensität der Verschmutzung ab. Mühsam ist die Arbeit allemal: Am Eingang der Fußgängerzone hat das Team bislang etwa zehn Quadratmeter am Tag geschafft.

Wenn sich das Verfahren in der Testphase bewährt, will die Stadt die gesamte Fußgängerzone reinigen lassen, sagt Walther. 5000 bis 6000 Quadratmeter müssten dann gesäubert werden. Nützlicher Nebeneffekt: Durch den Wasserdampf werden auch die Fugen im Pflaster schonend von Dreck befreit, sodass Regenwasser einfach versickern kann. "So kann es direkt ins Grundwasser abfließen und muss nicht in die Kanalisation geleitet werden. Das spart Kosten", so der ESO-Chef. Von der Nachhaltigkeit der Aktion ist er überzeugt: "Die Hemmschwelle, seinen Kaugummi auf die Straße zu spucken, liegt bei einem sauberen Pflaster deutlich höher."

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