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Ein Jahr Erasmusschule Kita und Schule unter einem Dach

Das Erasmus-Bildungshaus kann sich vor Nachfragen kaum retten - 220 Eltern stehen auf der Warteliste der mehrsprachigen privaten Ganztagsschule, Krippe und Kita. Manche Eltern ziehen sogar eigens von Frankfurt nach Offenbach um.

18.08.2010 18:12
Jörg Muthorst
Monica Jansen leitet das vor einem Jahr eröffnete Erasmus-Bildungshaus im Offenbacher Dreieichring. Foto: Joachim Storch

Quietschbunte Drehstühle reihen sich auf dem roten Bodenbelag im Essensraum und warten auf den mittäglichen Ansturm. Schüler und Lehrer nehmen ihre Speisen gemeinsam ein. Das gehört zum Konzept dieser ungewöhnlichen Bildungs- und Erziehungsstätte, die mit ihrem mehrsprachigen Ganztagsbetrieb (deutsch, englisch, spanisch) von Krippe, Kita und Grundschule bundesweite Einmaligkeit für sich beansprucht.

Nebenan finden die Pädagogen ihren individuellen PC-Arbeitsplatz. Helle, freundliche Klassenzimmer mit wandhohen Fenstern schließen sich an. Neben den kleinen Tischen stehen die Schulranzen. Von Montag bis Freitag können sie dort auch bleiben, denn Hausaufgaben gibt es nicht. Dafür haben die jeweils 25 Kinder pro Jahrgangsklasse täglich bis 16 Uhr Schule.

Das gesamte Bildungshaus ist verlässlich von 7.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Wahlweise können die Kinder auch schon um 14 und 16.30 Uhr abgeholt werden. Diese berufstätigen Eltern entgegen kommenden Öffnungszeiten wie auch der mehrsprachige und reformpädagogische Ansatz und die gute Personalausstattung mit drei Erziehungskräften pro Kita-Gruppe und eineinhalb Stellen pro Schulklasse machen das Erasmus Bildungshaus besonders attraktiv.

Die Nachfrage ist weit größer als die Kapazität, sagen Bildungshaus-Leiterin Monica Jansen sowie Maria Bufano-Hartmann von der Elterninitiative O.K. Kids, die das Projekt ins Leben gerufen hat. 220 Eltern stehen auf der Warteliste für die 30 Krippen- und 100 Kindergartenplätze. Manche Eltern, so Bufano-Hartmann, hätten eigens ihren Wohnsitz von Frankfurt nach Offenbach verlegt.

Die Initiatoren sehen sich in ihrem ehrenamtlichen Engagement bestätigt. In der politischen Debatte über öffentliche Subventionen für eine Ersatzschule in freier Trägerschaft fühlten sie sich „klischeehaft als Eliteschule abgestempelt“. Tatsächlich hatte vergangenes Jahr keine andere Schule für so viele Schlagzeilen gesorgt. Die Ampelkoalition geriet in ihre erste große Krise und nach der Kostenexplosion bei der Gebäudesanierung durch die Stadtwerke auf 4,6 Millionen Euro musste ein Manager gehen.

Inzwischen sind beide Gebäude nach jahrelangem Leerstand bezogen, kehrt allmählich Normalität ein in der alten Villa und dem aufgestockten, holzverkleideten Anbau im Dreieichring. Nur das Außengelände ist noch nicht fertig. Der Elternverein lässt es gerade auf eigene Kosten anlegen. Der Träger erhält für seine Krippe- und Kita die üblichen städtischen Zuschüsse. Für die einzügige Schule mit integriertem Hort und Mittagessen erhebt er 150 Euro Hortgebühr und 300 Euro Schulgeld im Monat. Die ursprünglich benötigte Bürgschaft fällt dank eines Sponsors nicht mehr an.

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