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Drohendes Dieselfahrverbot Offenbach verlagert seine Staus

Im Kampf gegen das drohende Dieselfahrverbot setzt Offenbach auf intelligente Verkehrssteuerung und den Ausbau des Nahverkehrs.

Baustelle auf dem Taunusring
Die Wartezeiten auf dem Offenbacher Taunusring – hier mit Baustelle – könnten anwachsen. Foto: Monika Müller

Mancherorts in Offenbach wird der Autoverkehr künftig flüssiger laufen – an anderen Stellen wird es mehr Staus geben. Grund dafür ist eine neue Verkehrssteuerung, die Autos und Laster unter dem Gesichtspunkt der Luftqualität durch die Stadt lotsen soll. Das bedeutet eine Verlängerung der Grünphasen an stark belasteten Straßen und eine Verlängerung der Rotphasen an nicht so stark belasteten Stellen – je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen. Fünf Millionen Euro kostet die Systemumstellung, ein Antrag auf Fördermittel vom Bund ist in Arbeit.

Die „umweltsensitive Verkehrssteuerung“ ist Teil eines Pakets, das die Stadt geschnürt hat, um Dieselfahrverboten aus dem Weg zu gehen. Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach, die die Pläne am Dienstag mit Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) vorgestellt hat, ist sich bewusst, dass die Veränderungen „nicht immer alle begeistern“ werden, etwa wenn sich Verkehr verlagert. 

Doch müsse man schnell handeln. Schon im November könnte nach Schätzung der Stadt die Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen das Land Hessen verhandelt werden, die die Luftqualität Offenbachs zum Gegenstand hat. Dabei geht es um die Konzentration des Reizgases Stickstoffdioxid, das in der Main- und der Unteren Grenzstraße über dem Grenzwert liegt – die nun vorgestellten Maßnahmen sind Teil eines mit Frankfurt erstellten „Masterplans“ zur Verbesserung der Luftqualität. „Entweder wir schaffen es, von diesen Werten runterzukommen, oder wir können uns auf Dieselfahrverbote einstellen“, sagte Weiß. Er betonte dabei, dass die Stadt auch Dinge plane, „die wir uns schon immer gewünscht haben“: beispielsweise eine generelle Optimierung der Ampelschaltungen – Stichwort „grüne Welle“. Hollerbach spricht in Bezug darauf von einem „langfristigen Gewinn für die gesamte Stadt“. Auch in diesem Punkt nutzt die klamme Kommune die Gunst der Stunde und beantragt Fördermittel: 6,5 Millionen Euro soll die Ampeloptimierung an sechs Straßenzügen kosten. Auch Geld für neue Echtzeitanzeiger an Bushaltestellen ist beantragt.

Keine Fördermittel benötigt die Stadt für die geplante Aussperrung des Lkw-Durchgangsverkehrs. Schilder am Ortseingang sowie stichprobenhafte Kontrollen sollen dazu führen, dass sich Lastwagenfahrer, die etwa von Mühlheim nach Frankfurt wollen, demnächst andere Wege suchen als durch Offenbach. Das Verbot betrifft täglich 1200 Lastwagen, die laut Stadt künftig vermutlich Umwege über Autobahnen und Schnellstraßen fahren.
„Wir glauben, dass wir Fahrverbote vermeiden können“, gab sich Weiß am Dienstag zuversichtlich. Aus dem hessischen Umweltministerium habe man bereits positive Signale vernommen, unter anderem, weil die Pläne mit Verkehrszählungen und -simulationen unterlegt sind. Außerdem fange die Stadt „nicht bei Adam und Eva an“, sagte Weiß. So sei man seit längerem dabei, öffentliche Verkehrsmittel und das Radfahren zu stärken. Ab 9. Dezember etwa wird der Takt der Busse auf bis zu 7,5 Minuten verdichtet. Stadtsprecher Fabian El-Cheikh spricht von „der größten Angebotserweiterung in der Geschichte der Offenbacher Verkehrs-Betriebe“ (OVB). Zudem fahren ab 2019 erste E-Busse und es wird ein Netz aus Fahrradstraßen angelegt – um nur einige Verbesserungen zu nennen.

Kritik an den neuen Plänen kommt von der Offenbacher Industrie- und Handelskammer (IHK). Deren Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner sagte, man lehne „die Idee, mit Pförtnerampeln Autos an der Stadtgrenze abzufangen und dort künstliche Staus zu produzieren strikt ab“. Es sei nicht klar, ob sich die Schadstoffbelastung durch Verkehrsverlagerungen nicht sogar erhöhe. Besser sei es, positive Anreize zu schaffen, nicht mit dem Auto in die Stadt einzufahren, etwa durch „Park+Ride“-Möglichkeiten an Bus- und Bahnhaltestellen. Die Stadt prüft derzeit P+R-Plätze am Stadion und an der Stadthalle.

Dezernent Weiß machte noch einen ganz anderen Vorschlag: Er wünsche sich einen S-Bahn-Probebetrieb auf der „Südtangente“ von Offenbach über Frankfurt-Süd zum Flughafen: Diese Route könne viele Autofahrer zum Umsteigen bewegen.

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