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Drittes Reich Fast verwehte Spuren des Offenbacher Widerstandes

Wolfgang Reuter hat ein Buch über Sozialdemokraten im Kampf gegen den Nationalsozialismus herausgegeben.

20.03.2012 22:54
Oliver Heil
Artur Egon Bratu gehörte zu den Offenbacher Sozialdemokraten, die Widerstand gegen das NS-Regime leisteten. Foto: Stadtarchiv

Es ist doch merkwürdig, wie diese für Offenbach wichtigen Personen in Vergessenheit geraten konnten.“ Wolfgang Reuter ist von der Verwunderung zur Tat geschritten. Die sozialdemokratischen Widerständler, von denen viele 1936 wegen Vorbereitung des Hochverrats vor Gericht standen, ruft er den Offenbachern zurück ins kollektive Gedächtnis.

Reuter hat jetzt, unterstützt von den Co-Autoren Lore Ringwald und Erich Herrmann, in der Roten Reihe der Historischen Kommission der Offenbacher SPD ein Büchlein herausgebracht. In dem 64-seitigen Band werden die Offenbacher Widerständler vorgestellt, die während der Verhöre aktenkundig geworden waren.

„Aber manchmal, da findet man doch noch was“, kommt Wolfgang Reuter zum Positiven. Er hat in akribischer Suche nach den „schon fast verwehten Spuren“ viel herausgefunden, das bislang unbekannt war. Zum Beispiel über den Lehrer Artur Egon Bratu. Bekannt war über ihn, dass er 1932 die Totenrede für den von SA-Leuten ermordeten Christian Pless gehalten und danach über die Friedhofsmauer vor der SA geflüchtet war. Oder dass er 1933 aus Angst vor den Nazis von einer Reise nach Belgien nicht nach Offenbach zurückgekehrt war. Nicht bekannt war vor Reuters Recherchen, dass Bratu sich der britischen Armee anschloss, deutsche Kriegsgefangene befragte und 1947 in britischer Uniform nach Offenbach zurückkehrte. „Ich habe den als älteren Herrn noch gekannt“, sagt Reuter. Bloß hat er den Senior nicht mit der Geschichte der Offenbacher Widerständler in Verbindung gebracht.

Im Strafbataillon gefallen

Bratu war nicht mehr in Offenbach, als seine Mitstreiter 1936 einer nach dem anderen von der Gestapo verhaftet wurden. „Es waren definitiv noch mehr aktiv, nur haben die Verhafteten offenbar weitgehend dichtgehalten“, berichtet der frühere Offenbacher Oberbürgermeister Reuter. Zum Beispiel seien aus Bürgel und aus Bieber, wo es eigenständige Gruppen gegeben habe, jeweils nur zwei Männer verhaftet worden; die Namen ihrer Mitstreiter verrieten sie der Gestapo nicht.

Zu den bekannten Widerständlern haben Wolfgang Reuter und seine Co-Autoren zweiseitige Kurzporträts verfasst. Sie berichten über die politische Entwicklung der Porträtierten, über ihre Rolle im Widerstand und die Rolle, die sie beim Wiederaufbau des demokratischen Offenbach gespielt haben. Sofern sie das konnten. Viele von ihnen starben im Krieg. Adam Pfeifer und Theobald Sturm fielen als Soldaten des berüchtigten Strafbataillons 999, Hans Stoffers, der geistige Kopf der Gruppe, kam bei der Bombardierung eines Flüchtlingstrecks in Belgien ums Leben.

Wer überlebte, wurde Landrat des Kreises Dieburg wie Ludwig Pfeifer oder Bürgermeister von Offenbach wie der heute 97-jährige Karl Appelmann.

Das Buch Offenbacher gegen NS-Diktatur ist beim Verlag Offenbacher Editionen erschienen. Ab heute ist es zum Preis von 5 Euro im Buchhandel erhältlich.

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