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Dreieich Weihnachtsteller mit Mondlandung

Rita und Judith Breuers historische Sammlung rund um die Adventszeit spiegelt viel Zeitgeist wider. Ein Teil der Sammlung ist zurzeit im Dreieich-Museum zu sehen.

Judith und Rita Breuer (v. li.) bauen im Museum in der Hainer Burg ihre riesige Weihnachtssammlung auf. Foto: Renate Hoyer

Wenn sich in der DDR der Gabenteller am 6. Dezember auf geheimnisvolle Weise füllte, dann war oft nicht der Nikolaus dafür verantwortlich, sondern das russische Väterchen Frost oder das Schneemädchen. „Wir haben sogar einen bunten Teller mit der Mondlandung gefunden“, berichtet Rita Breuer. Viel seltener als im Westen seien christliche Motive wie Engel oder gar das Jesuskind gewesen, sagt die 76-Jährige aus dem Sauerland. „Der Teller ist doch ein Blickfang“, sagt sie begeistert.

Gemeinsam mit ihrer Tochter Judith, 50, zeigt sie im Dreieich-Museum in der Hayner Burg in Dreieichenhain von kommendem Samstag an einen Teil ihrer gewaltigen historischen Sammlung rund um die Adventszeit. So riesig sind die Bestände, die sie seit Ende der 70er Jahre zusammengetragen haben, dass die Breuers parallel auch noch eine Schau in Bad Wildungen – über Christbaumspitzen – und in Bad Kreuznach – über Weihnachten im Ersten Weltkrieg zeigen können.

Die Ausstellung in Dreieich ist inzwischen die bereits 32., die Mutter und Tochter zwischen Oberbayern und der Ostsee konzipiert und aufgebaut haben, und auch im Dreieich-Museum waren in den vergangenen Jahren bereits zwei zu sehen. Exponate und Konzeption stellen dabei Rita und Judith Breuer zur Verfügung, die sie auch selbst aufgebaut haben.

Sehr seltene, tolle Exponate

Studierte Volkskundlerinnen sind sie zwar beide nicht, „aber als Laien bezeichnen wir uns nicht mehr“, sagt Rita Breuer. „Man muss alles belegen können. Wir haben sorgfältig recherchiert.“ Einen Namen gemacht haben sie sich inzwischen unter anderem mit einer Untersuchung zur „politischen Weihnacht“, etwa im Nationalsozialismus oder zur Zeit der 68er.

Bei der allerersten Ausstellung im leerstehenden Dorfgasthaus ihres Heimatorts im Kreis Olpe habe sie ein Historiker beiseite genommen, ihr auf die Schulter geklopft und gesagt: „Lassen Sie sich von uns Fachleuten bloß nicht verbilden“, erzählt sie stolz. Und muss lachen, als sie hinzufügt: „Angela Merkel ist auch eine Quereinsteigerin!“

Museumsleiterin Corinna Molitor, eine Fachfrau, ist jedenfalls hingerissen von den teils auch sehr seltenen, mehr als hundert Jahre alten Stücken aus der Breuerschen Sammlung. „Ich frage mich immer, wo die Breuers so etwas nur aufgetrieben haben. Es ist schon erstaunlich, dass diese Sachen die Jahrzehnte überstanden haben. Das sind tolle Exponate.“

Beim Thema Weihnachtsteller frage man sich ja erst einmal, was es da auszustellen gebe, sagt sie. Aber die Ausstellung sei sehr gut gemacht und zeige an Beispielen, wie sich beispielsweise die Gabenbringer entwickelten, vom Nikolaus und dem Christkind hin zum modernen, aus den USA stammenden Weihnachtsmann ohne religiöse Inhalte.

Molitors Lieblingsvitrine enthält eine Sammlung von Wunschzetteln aus den 1970er Jahren, auf denen sich ein Kind „einen karierten Rock und zwei Stricknadeln“ wünscht. „Da waren Kinder noch sehr bescheiden“, sagt Molitor.

Weihnachtsteller verraten eine ganze Menge über die Zeit, in der sie benutzt werden. So hat Rita Breuer auch schon rosa Disney-Motive entdeckt, und vieles kann man heutzutage gleich abgepackt beim Discounter kaufen. Der Zeitgeist spiegelt sich eben auch im scheinbar Nebensächlichen.

Fotos: Renate Hoyer

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