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Dreieich „Plötzlich ist das leichte Opfer keines mehr“

Heike Krüger, Trainerin für die Selbstverteidigung „Wen Do“, lehrt Senioren wie sie sich selbst behaupten können.

25.02.2015 19:25
Meike Hickmann

Frau Krüger, Sie bringen „Jung und Alt“ Selbstverteidigung bei – wie machen Sie das bei Senioren?
Heike Krüger: Zuallererst frage ich nach Wünschen, Erwartungen sowie nach Stress- oder Angst-Situationen. Gemeinsam sammeln wir Lösungsideen und Strategien, diese werden durch Übungsreihen oder in einem Rollenspiel ausprobiert und gefestigt. Es geht um Wendo – Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Frauen jeden Alters, mit oder ohne Handicaps. Wir trainieren Körpersprache, Stimme, Befreiungstechniken, Hilfe holen – vieles auch spielerisch. Gerade Seniorinnen gehen gestärkt aus diesen Kursen, auch weil sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

In Ihrem Kurs geht es viel um „Selbstbehauptung“ – was verstehen Sie darunter?
Selbstbehauptung heißt, gerade bei älteren Frauen, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und bei Bedarf zu schützen. Und sich zu fragen: Was möchte ich, was fühlt sich nicht gut an? Zum Beispiel, wenn mir jemand zu nah kommt. Ich entscheide und versuche, den passenden Abstand herzustellen. Selbstbehauptung fängt mit Wahrnehmung und mit dem Wissen darüber an, wie ich mich wehren kann. Mit einem Blickkontakt kann ich einladen, aber auch Stopp sagen, genauso mit Mimik, Gestik, Körpersprache und Stimme.

Wie können ältere Menschen sich denn überhaupt gegen Angriffe wehren?
Erst mal die Ruhe bewahren, ausatmen. Das entspannt. Dann die Situation einschätzen und Hilfe suchen. Oder, wenn ich weglaufen muss, überlegen: Wohin? Kinder, Frauen und Senioren sind Ziel von Angreifern, weil sie vermeintlich leichte Opfer sind. Vielleicht wirken sie unsicher und schüchtern. Dann ist es gut, erst mal „Halt“ oder „Lassen Sie mich in Ruhe“ zu rufen oder auch „Hilfe“. Mit der Stimme können schon die Hälfte aller Angriffe abgewehrt werden, mit einem Tritt drei Viertel. Das ist ein Überraschungseffekt, denn so ist plötzlich das leichte Opfer keines mehr.

Wie reagiert man am besten in brenzligen Situationen?
Sich und die Umgebung wahrnehmen, sich vorbereiten: wie eine sichere Busverbindung raussuchen, sich in die Nähe des Busfahrers zu setzen. Ein Handy mit gespeicherten Notfall-Nummern dabei zu haben. So wenig wie möglich Bargeld mitzunehmen, und nicht immer alles in der Handtasche! Sich vor dem Geld abheben zu überlegen, wann und wo ich das mache? Körperlichen Abstand zu anderen herstellen und wahren. Sich überlegen, ob und wen ich in die Wohnung lasse. Und nicht zuletzt ein gutes Nachbarschaftsnetz aufbauen.

Interview: Meike Hickmann

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