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Dreieich Integration als Ferienprogramm

Das bunte Ferienprogramms beim TV Dreieichenhain ist laut Volker Rehm von der Sportjugend Hessen ein außergewöhnliches Angebot.

Ein vielbeachtetes Ferienprogramm für Hauptschüler aus dem Stadtteil hat der TV Dreieichenhain organisiert. Foto: Renate Hoyer

Yussuf geht auf die Weibelfeldschule, ist 13 Jahre alt, seit neuestem begeisterter Tischtennisspieler und mächtig stolz auf sein quietschorangenes T-Shirt. „Ich war dabei“, steht darauf, und er und die anderen 17 Kinder bekommen es am Ende eines ziemlich bunten Ferienprogramms beim TV Dreieichenhain, das nicht nur für Yussef etwas ganz besonderes ist. „Das Angebot ist schon außergewöhnlich“, sagt Volker Rehm von der Sportjugend Hessen, der dort die Integrationsprojekte betreut.

Denn das Angebot des Dreieichenhainer Sportvereins soll mehr als nur Spaß machen, wie Gudrun Nagel, Leiterin der Schulsozialarbeit in der Stadt, erläutert. Das Projekt sei besonders für Hauptschüler gedacht, die „am Rande der Schullandschaft stehen und von Randständigkeit bedroht sind“, wie Nagel es ziemlich behutsam formuliert. Viele hätten Lerndefizite. Bewusst habe man Kinder angesprochen, die nicht in die Ferien fahren. Der aktuelle Jugendbericht der Bundesregierung zeige, dass es vielen Kindern an Bewegung fehle.

„Dieses wunderbare Sportprogramm kann Freude und Lust am Lernen vermitteln, und das wirkt sich sehr positiv auf die Schüler aus“, sagt sie. „Sport ist eine zentrale Möglichkeit, sich selbst zu erfahren und etwas in einer Gemeinschaft zu gestalten. Ein Verein kann richtig zur Heimat werden.“

Vereine sind Integrationseinrichtungen

Viele erfolgreiche Migranten berichten von Menschen, die Vorbilder für sie waren, die sie unterstützt und gefördert haben. Oft sind das Ehrenamtliche in Sportvereinen, die die Kinder immer wieder ermutigten und gestützt haben, ganz selbstverständlich und ohne viel Aufhebens. Vereine, das kann man wohl so sagen, gehören zu den größten Integrationseinrichtungen Deutschlands. Bezahlen könnte dieses enorme Engagement selbst ein so reiches Land wie Deutschland kaum. „Der TVD war immer ein Vorreiter“, lobt Karin Scholl vom städtischen Integrationsbüro. „Ich hoffe, dass das Projekt weitergeht.“

Für seinen Feriensport hat sich der TVD ins Zeug gelegt, hat mehr als 20 Übungsleiter verpflichtet, darunter auch bekannte Namen wie die U17-Nationalspielerin Saskia Matheis. Fußball, Sportkegeln, Aikido, aber auch Waldläufe machen sie mit den Schülern, so ein Verein hat ja eine große Auswahl – es ist Breitensport im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Kinder sind sehr begeistert und kommen auch mit Muskelkater“, sagt Alfred Salewski, der das Programm betreut.

Für Kinder gratis

Dank des ehrenamtlichen Engagements der Vereinsmitglieder und einer Spende des Dreieicher Weihnachtskalenders ist das Sportprojekt für die Kinder gratis und für den Verein kostenneutral. TVD-Vorstand Gerhard Liebermann hat sich mit vielen der Kinder unterhalten und wundert sich immer wieder über manche Lebensverhältnisse. So berichtet er von einem 14-Jährigen, der ihm erzählt habe, er sei bis um 6 Uhr früh vor dem Fernseher gesessen. „Es ist für uns auch ein soziales Projekt“, sagt er.

Will einer der Schüler auch weiterhin im Verein Sport treiben, so solle es nicht am Geld scheitern, betont Liebermann. Der TVD biete ihnen ein Jahr lang eine kostenlose Mitgliedschaft an. Yussef jedenfalls hat Feuer gefangen und sich die Anmeldeunterlagen für die Tischtennisabteilung geholt. Er war dabei und bleibt dabei.

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