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Dietzenbach Rangeleien, Verletzte, Polizei

Handgreifliche Auseinandersetzungen, Verletzte, zwei Polizeieinsätze, eine Personendurchsuchung und Strafanzeigen – das ist die Bilanz der nichtöffentlichen Eigentümerversammlung der Großwohnanlage Rosenpark in Dietzenbach.

Es brodelt bei den Wohnungseigentümern im Rosenpark. Foto: Monika Müller

Der Eklat war vorhersehbar, doch es kam schlimmer. Handgreifliche Auseinandersetzungen, Verletzte, zwei Polizeieinsätze, eine Personendurchsuchung und Strafanzeigen – das ist die Bilanz der nichtöffentlichen Eigentümerversammlung der Großwohnanlage Rosenpark in Dietzenbach, früher als Starkenburgring bekannt. Der samstägliche Skandal ist der traurige Höhepunkt zahlreicher Auseinandersetzungen zwischen mehreren Eigentümern und der Hausverwaltung Abendschein & Hetschold, die schon seit Jahren schwelen und sich immer mehr hochgeschaukelt haben.

Auch am Samstag war wieder ein privater Sicherheitsdienst engagiert worden. Der zehnköpfige, teilweise bewaffnete Saalschutz kontrollierte die Eigentümer, die den Saal im Hotel Sonnenhof betreten wollten. Peter Kunth, einer der mehr als 600 Eigentümer, spricht von einschüchternden Leibesvisitationen und Taschenkontrollen, denen sich die rund 40 Anwesenden beugen mussten, ehe sie eingelassen wurden.

Kunth konnte der Versammlung nicht bis zum Ende beiwohnen: Er wurde von vier Security-Mitarbeitern im Rahmen einer verbalen Auseinandersetzung mit dem umstrittenen Verwalter Manfred Abendschein gewaltsam aus dem Saal getragen. Der 82-jährige Eigentümer Johann Glinik habe versucht, sich schützend vor ihn zu stellen, berichtet Kunth. Der Senior sei vom Chef des Sicherheitsdienstes hart an beiden Armen gepackt und zurückgestoßen worden, sei fast zu Boden gegangen und habe auf beiden Händen große Hämatome davongetragen, erklärt Kunth.

Zu Boden geschleudert worden

Auch Dieter Bracht war am Samstag Augenzeuge der unrühmlichen Vorfälle. Ihm gehören 23 der insgesamt 1019 Wohnungen in den fünf Hochhäusern am Spessartring. Er spricht von einem tätlichen Angriff auf die Eigentümerin Silvia Ohde, die auf einer vorbereiteten Erklärung Unterschriften gegen einen mutmaßlich rechtswidrigen Vorgang der Hausverwaltung gesammelt hatte. „Abendschein hat sie am Körper hin- und hergeschüttelt, bis er ihr Schriftstücke entreißen konnte“, erinnert sich Bracht. Zusammen mit einigen anderen Eigentümern habe er sich schützend dazwischengestellt. Abendschein habe ihn weggestoßen, ein Mitarbeiter des Saalschutzes habe ihn zu Boden geschleudert, sagt Bracht. Tische seien umgefallen, Gläser zu Bruch gegangen. Walter Fontaine, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft, rief daraufhin die Polizei. Mehrere Strafanzeigen wurden gestellt.

„Die Demokratie wurde in dieser Versammlung mit Füßen getreten“, sagt Fontaine. Er hatte Geschäftsordnungsanträge gestellt – unter anderem forderte er die geheime anstatt der offenen Wahl der Hausverwaltung Abendschein & Hetschold –, die jedoch allesamt übergangen wurden. Außerdem habe nur Abendschein ein Mikrofon gehabt und konnte so alle Wortmeldungen übertönen. „Ich werde über die Wohnungsgesellschaft die Ergebnisse dieser skandalösen Versammlung beklagen“, sagt Fontaine. Er ist sich sicher: „Wenn ich nicht den Amtsbonus hätte, wäre ich zwei- oder dreimal gewaltsam rausgetragen worden.“

Zu späterer Stunde trat auch noch die Offenbacher Kriminalpolizei auf den Plan. Abendschein und seine Angestellten mussten sich auf staatsanwaltschaftliche Anordnung eine Personendurchsuchung gefallen lassen, berichtet Peter Kunth. Dabei sei ein Teil der Unterlagen sichergestellt worden, die Silvia Ohde zuvor entrissen worden waren.

„Seit Ende 2009 hat die Hausverwaltung über 12 000 Euro für Sicherheitsdienste ausgegeben“, sagt Bracht. Dies sei jedoch von der Eigentümergemeinschaft nie beschlossen worden. Außerdem seien die letzten drei Abrechnungen mindestens 1,5 Millionen Euro zu hoch gewesen, weil Gelder, die die Eigentümer schon bezahlt hatten, nochmals in Rechnung gestellt worden seien. „Man betrügt uns, das glaubt man nicht.“

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