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Dietzenbach Grüße aus dem Chaos

Das Heimatmuseum zeigt eine Ausstellung zur Feldpost im Ersten Weltkrieg. Die Ausstellung ist bis zum 26. Oktober zu sehen.

12.10.2014 19:53

Ein Kriegsschiff bei starkem Wellengang oder eine Gruppe Soldaten, die sich den Feinden entgegenstellt: Die Motive der Propaganda-Postkarten, die die Soldaten im Ersten Weltkrieg von der Front in die Heimat schickten, ähneln sich, auch wenn es mal deutsche, mal englische sind. Die wahren Tragödien von der Front verbergen sich im Text auf der Rückseite: Der Gruß an die Kinder, die fern des Vaters aufwachsen oder die Sehnsucht nach den Eltern.

„Bisher tauchte die Feldpost des Ersten Weltkriegs bei Ausstellungen eher als Randthema auf“, sagt Dagobert Dobrowolski, Schriftführer des Dietzenbacher Heimat- und Geschichtsvereins, „aber unser Museum stellt sie nun in den Mittelpunkt.“ In Zusammenarbeit mit dem Briefmarken- und Münzsammlerverein (BMV) ist eine Ausstellung über Feldpost und Briefmarken im Ersten Weltkrieg entstanden, fast eineinhalb Jahre Planung waren dafür nötig.

Manfred Wrzesniok vom BMV hat die Ausstellung organisiert, befreundete Vereine und Sammler in Deutschland, England und Frankreich um Exponate wie Wimpel, Fotografien oder Briefmarken gebeten. „Die Soldaten wurden angehalten, Bilder zu machen“, sagt Dobrowolski. Zu sehen sind die Soldaten vor eroberten Städten, aber auch zerstörte Kirchen oder Schützengräben sind abgebildet. „Manche Bilder sollten den Feind verhöhnen oder waren schlicht rassistisch“, sagt der pensionierte Lehrer und weist auf die Fotografie eines gefangenen russischen Soldaten.

25 Millionen Sendungen pro Kriegstag

Vom ersten Kriegstag, dem 1. August 1914, an, waren Sendungen von Soldaten nach Hause portofrei. „Insgesamt wurden schätzungsweise 25 Millionen Sendungen pro Kriegstag befördert“, sagt Dobrowolski. Während zu Beginn noch Abschieds- und Treue-Motive die Postkarten dominierten, ging es später eher in Richtung Durchhalteparolen.

Auch Briefmarken aus besetzten Ländern sind in der Ausstellung zu sehen. Da die Kriegswirtschaft es nicht erlaubte, für die besetzten Länder eigene Marken drucken zu lassen, wurden einfach die eigenen überstempelt: Aus einer Marke des Deutschen Reichs wurde mit dem Aufdruck Warschau eine des besetzten Polens. Ergänzt wird die Schau durch Exponate wie MG-Munitionskisten oder Granatenteile. „Vergnügen kann man Besuchern dieser Ausstellung nicht wünschen“, so Dobrowolski, „aber ich hoffe, sie macht die Schrecken des Krieges deutlich.“

Die Ausstellung „Der Erste Weltkrieg im Spiegel von Briefmarken und Feldpost“ ist im Museum für Heimatkunde und Geschichte, Darmstädter Straße 7-11, bis zum 26. Oktober zu sehen, sonntags 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung montags 9 bis 12 Uhr, Tel. 06074/41742. www.heimatverein-dietzenbach.de. (som)

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