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Der Tod von Tu?çe A. Zeuginnen melden sich bei der Polizei

Die Staatsanwaltschaft vernimmt die Mädchen, die Tu?çe A. beschützt und dafür mit dem Leben bezahlt hat. Derweil wird ein Überwachungsvideo der Tat in der Presse veröffentlicht.

Trauer um die Studentin Tu?çe A. Foto: dpa

Die von der Staatsanwaltschaft seit mehr als einer Woche gesuchten beiden Zeuginnen im Fall Tu?çe A. haben sich am Wochenende bei den Ermittlungsbehörden gemeldet. Die Offenbacher Staatsanwaltschaft bestätigte, dass die beiden Mädchen, denen die 22-jährige Lehramtsstudentin zur Hilfe geeilt war, bereits vernommen worden sind. Über den Inhalt der Aussagen wurde nichts bekannt.

Die beiden Zeuginnen sollen dem Vernehmen nach von einer Gruppe junger Männer um den 18-jährigen Sanel M. auf der Toilette der McDonalds-Filiale am Kaiserlei belästigt worden sein. Tu?çe A., so heißt es, habe sich schützend vor sie gestellt und sei dafür von Sanel M. später auf dem Parkplatz des Restaurants niedergestreckt worden. Beim Sturz hatte sich Tu?çe A. schwere Schädelhirnverletzungen zugezogen und war ins Koma gefallen. Am vergangen Freitag wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt, nachdem bereits am Mittwoch der Hirntod festgestellt worden war.

Die Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung hat am Montag ein Video veröffentlicht, auf dem offenbar zu sehen ist, wie Tu?çe niedergeschlagen wird. In den sozialen Netzwerken ist die Empörung über das Blatt groß, Polizei und Staatsanwaltschaft fragen sich, wie die Zeitung an die Aufnahmen gelangen konnte.

Das Video ist knapp zwei Minuten lang und von miserabler Qualität. Es zeigt, wie der mutmaßliche Täter das Fast-Food-Lokal verlässt und zu dem Parkplatz geht, auf dem Tu?çe in einer Gruppe junger Menschen steht. Der Mann, bei dem es sich um den verdächtigen Sanel M. handeln soll, ist aufgebracht, gestikuliert wild. Immer wieder geht er auf die Gruppe um Tu?çe zu. Immer wieder wird er aber auch zurückgehalten von einem anderen Mann, der ihn mal am Arm packt, mal wegzieht, mal schubst. Über die Identität dieses Mannes ist bislang wenig bekannt.

Bei Minute 1:54 des Videos kann aber auch dieser Mann den Verdächtigen nicht stoppen. Der mutmaßliche Täter schlägt zu, Tugçe fällt zu Boden. Danach endet die Aufnahme.

Wie das Video, das im Verfahren gegen Sanel M. ein wichtiges Beweisstück sein dürfte, an die „Bild“ gelangen konnte, kann sich das Polizeipräsidium Südosthessen nicht erklären. „Wir fragen uns auch, woher das auf einmal kommt“, erklärte Pressesprecher Rudi Neu auf FR-Anfrage. Die deutsche McDonalds-Zentrale in München betont derweil, dass das Überwachungsvideo ausschließlich den Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt worden sei.

In den sozialen Netzwerken wird kontrovers über die Veröffentlichung des Videos diskutiert. Vor allem auf der Facebook-Seite über Tu?çe ist die Empörung groß. Dass das Video ohne Einverständnis von Tu?çes Familie ins Netz gestellt worden sei, sei „eine bodenlose Frechheit“, heißt es auf der Seite: „Ihr könnt euch vorstellen, wie es für die Eltern oder Brüder sein muss, ihre geliebte Tu?çe ,live‘ sterben sehen zu müssen.“ Die Besucher auf der Seite werden aufgefordert, den Link zu dem Video nicht weiterzuleiten.

Ob die Studentin an einem Schlag gegen den Kopf oder dem anschließenden Sturz starb, blieb auch nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion unklar. Beides könne die tödliche stumpfe Gewalteinwirkung verursacht haben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montagabend in Offenbach mit. Vom endgültigen Ergebnis wird abhängen, ob gegen Sanel M. weiter wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt wird. Derzeit bestehe ein Anfangsverdacht, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Kreutz. Sanel M. befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft in der JVA Wiesbaden. Ein Haftprüfungstermin sei seitens seines Anwalts noch nicht beantragt worden, so Kreutz.

Tu?çe Beerdigung ist für Mittwoch geplant. Sie soll auf dem Friedhof in Bad Soden-Salmünster in Osthessen beigesetzt werden. Die Uhrzeit war noch nicht bekannt. Zuvor soll sie in einer Moschee in Wächtersbach aufgebahrt werden.

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