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Capitol in Offenbach Tradition trifft Glamour

Im Offenbacher tritt ab Januar das neue „Capitol Symphonie Orchester“ auf. Das 50-köpfige Ensemble soll neben der „großen Klassik“ die sinfonische Unterhaltungskultur von den Zwanzigern bis heute in den Mittelpunkt stellen.

Capitol Symphonie Orchester in Offenbach
Hier spielt die Musik: Dirigent Gonzalez und Orchestergründer Ziegler (v. l.) im Capitol. Foto: Michael Schick

Die Vorstellung, wie eine Musikerin mit ihrem Instrumentenkoffer durch die Straßen des Offenbacher Nordends eilt, um dort mit dem Sinfonieorchester des Capitols zu proben – das habe doch etwas sehr Großstädtisches, findet Loimi Brautmann. „Das Orchester“, sagt der stadtweit bekannte Agenturgründer, hole „ein Stück weit die große Welt nach Offenbach“. Brautmann spricht vom neu gegründeten „Capitol Symphonie Orchester“, dessen Webauftritt und Plakate seine Agentur gestaltet hat und das ab Januar die klassische Musiklandschaft im Rhein-Main-Gebiet erweitert. Das etwa 50-köpfige Ensemble folgt auf die „Neue Philharmonie Frankfurt“, deren Manager Dirk Eisermann nach vielen Jahren in Offenbach in diesem Jahr mit der Verwaltung der Philharmonie nach Hanau umgezogen ist – nach einer „einvernehmlichen Trennung“, wie es bei der Stadt heißt. Beim Personal der beiden Orchester gibt es Überschneidungen.

In Offenbach geblieben ist Eisermanns bisheriger Geschäftspartner, der künstlerische Orchesterleiter und Offenbacher Kulturamtschef, Ralph Philipp Ziegler. Der 47-Jährige hat den Wegzug der „Neuen Philharmonie“, die sich mit ihren ungewöhnlichen Crossover-Konzerten über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen gemacht hat, zum Anlass genommen, um mit seiner Frau Astrid ein Konzept für ein neues Orchester mit Sitz im Offenbacher Capitol auszutüfteln.

Die Zielsetzung war den beiden schnell klar: Das Orchester soll neben der „großen Klassik“ passend zur glamourösen Architektur des Hauses die sinfonische Unterhaltungskultur von den Zwanzigern bis heute in den Mittelpunkt stellen. So sind etwa opulente Galashows geplant, mit Pop- und Filmmusik garnierte Sinfoniekonzerte und – als weiterer Schwerpunkt – Stummfilmkonzerte. Hier soll es eine Zusammenarbeit mit dem Sender Arte geben. Um die Finanzierung des Orchesters sicherzustellen, plant Ziegler zudem, wie auch bisher musikalische Events für große Unternehmen auszurichten.

Man wolle mit Personen zusammenarbeiten und Musik von Personen aufführen, „die über den Tellerrand hinausschauen“, sagt Ziegler, dem man anmerkt, dass Herzblut in der Sache steckt. Personen wie etwa der Komponist Sven Helbig, der Orchestersätze für die Rockband Rammstein geschrieben hat. Oder Ludger Vollmer, der aus Fatih Akins Kultfilm „Gegen die Wand“ eine Oper formte, die Elemente türkischer Musik aufgreift. Man wolle „nicht im Elfenbeinturm musizieren“, sagt Orchesterleiter Ziegler – sondern nah dran sein an den „Menschen von heute“. Erster Gastdirigent bleibt Steven Lloyd Gonzalez, der zuvor auch bei der „Neuen Philharmonie“ den Takt angegeben hat und schon bei Orchestern in London, Kairo und in Oman am Pult stand. In der dortigen Hauptstadt Muscat wird das neue Capitol-Orchester 2019 auch einen seiner ersten Gastauftritte haben – nach Bad Homburg und Neunkirchen im Saarland.

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