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Bollywood goes Offenbach Farbenpracht und große Gefühle

Ali Ahmadi gibt die deutsche Version von Filmfare, dem größten indischen Filmmagazin heraus - mit großem Erfolg. Im Interview mit der FR spricht er über Bollywood und den Spagat zwischen Kitsch und Kunst.

03.02.2009 00:02
Hrithik Roshan ist in Indien ein Superstar und Sexsymbol. Foto: Filmfare

Herr Ahmadi, Bollywood-Filme haben in den vergangenen Jahren im Westen einen wahren Boom erlebt. Gerade hat "Slumdog Millionär" mehrere Golden Globes und zehn Oscar-Nominierungen abgeräumt. Kann das so weiter gehen?

Ja, absolut. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es auch im Westen einen großen Markt für Bollywood-Produktionen gibt. Immer mehr Leute interessieren sich für Bollywood. Jetzt ist mit "Slumdog Millionär" die Welle sogar nach Amerika geschwappt. Der Film gewinnt ständig neue Preise, dabei war er bei den Golden Globes als absoluter Außenseiter ins Rennen gegangen. Ich denke, dass diese Entwicklung noch weiter gehen wird.

Auch die deutsche Ausgabe des Magazins Filmfare, die Sie mit herausgeben, hat großen Anklang gefunden. Was reizt die Leute so an Bollywood?

Ich vermute, es ist der Reiz des Neuen. In Bollywood-Filmen gibt es noch etwas zu entdecken. Hinzu kommt sicherlich die beeindruckende Optik: die Farbenpracht, die Kulissen und Kostüme. Nicht zuletzt bieten die Filme große Gefühle wie Liebe und Trauer. Das bedient Bedürfnisse, die bei einem großen Publikum vorhanden sind. Gerade bei Frauen kommen Bollywood-Filme an.

Trotz ihres Erfolgs stehen Bollywood-Filme immer noch im Ruf, kitschig zu sein. Zu Unrecht?

Dieses Vorurteil besteht zu Unrecht. Wo Romantik endet und Kitsch anfängt, liegt allein im Auge der Betrachters. Die schnellen Rhythmen und die Freude am Leben sind typisch für Bollywood. Und viele der Szenen, die mancher kitschig finden mag, sind symbolisch zu verstehen. Denn Kuss- und Liebesszenen gibt es in Bollywood nicht. Sie werden symbolhaft dargestellt - etwa als Tanz, oder mit einer sich öffnenden Blumenblüte.

Wie sind Sie selbst zu Bollywood und damit ihrem Job im Herausgeber-Team der Filmfare gekommen?

Ich stamme aus Afghanistan - und die afghanische und die indische Kultur sind sich sehr nah. Die Afghanen sind große Bollywood-Fans. Schon als Kind habe ich ständig indische Filme geschaut. Zu Filmfare bin ich durch meine Schwester Seweta gekommen, die Geschäftsführerin von Threebros Media ist. Durch ihren Beruf ist sie oft auf Reisen, und ich vertrete sie dann in Offenbach. Ich helfe ihr, wo ich kann.

Warum erscheint das Magazin gerade in Offenbach?

Weil wir Offenbacher sind. Ich selbst bin hier geboren, meine Schwester lebt seit ihrem dritten Lebensjahr hier.

Worin unterscheidet sich die deutsche Filmfare von der Originalausgabe?

Die indische Ausgabe erscheint alle zwei Wochen. Die deutsche Filmfare erscheint einmal im Monat und umfasst zwei komplett übersetzte Originalausgaben. Wir arbeiten daran, dass auch die deutsche Ausgabe alle zwei Wochen erscheinen kann. Ein weiterer Unterschied: Wir sind zurzeit noch werbefrei. Auch das wird sich allerdings bald ändern. Ein Magazin, dass ganz auf Werbung verzichtet, ist auf Dauer nicht finanzierbar.

Haben Sie einen Tipp für Neueinsteiger, die bislang noch keinen Kontakt zu Bollywood-Filmen hatten?

"In guten wie in schweren Tagen" mit Shah Rukh Khan und Amitabh Bachchan, den zwei populärsten Bollywood-Stars. Es geht, wie in fast allen Bollywood-Filmen, um Familie und Liebe. Wer Bollywood verstehen will, sollte sich diesen Klassiker ansehen!

Interview: Maurice Farrouh

www.filmfare-magazin.com

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