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Bibelskulptur Offenbach Kein Anreiz mehr für Metalldiebe

Zweimal ist die Bibelskulptur im Martin-Luther-Park gestohlen worden. Jetzt gibt es für Metalldiebe keinen Grund mehr, aktiv zu werden. Die Bibelskulptur wird durch eine Steinkopie ersetzt.

2009 installierte Karl-Heinz Oppl zuletzt die Kupferbibel. Foto: Rolf Oeser

Ein wachsames Auge sollten die Offenbacher auf die Kunstwerke in Parks und Straßen haben, empfahl Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte. Das war im Jahr 2009 anlässlich der Enthüllung der erneuerten kupfernen „Lutherbibel“ im Martin-Luther-Park. Schließlich war das 1984 von Karl-Heinz-Oppl aufgestellte Kunstobjekt 2007 gestohlen worden. Zwei Jahre später wurde es ersetzt und 2013 wieder von Metalldieben entwendet.

Nun gibt es eine Initiative zur Erneuerung der Skulptur: Das Evangelische Dekanat Offenbach und der Verein Praeludium möchten die Buchskulptur passend zum Lutherjahr 2017 erneuern. Dieses Mal aber nicht in Kupfer, sondern in Stein. So hätten Diebe keinen Anreiz, das Kunstobjekt zu stehlen.

Die im Bad Münster am Stein lebende Bildhauerin Anna Bubach-Wilmsen soll die neue Skulptur anfertigen. Erste Skizzen zeigen mehrere übereinanderliegende Bücher aus Quarzit oder Gneis. Als „interreligiöses Kunstobjekt“ soll es die drei heiligen Bücher der Schriftreligionen Judentum, Christentum und Islam symbolisieren. Außerdem soll damit laut Beschreibung der Künstlerin auch Offenbachs Bedeutung für Schrift und Buchkunst verdeutlicht werden.

Geplant ist, die Skulptur am Reformationstag 2017 in einem intereligiösen Gottesdienst der Öffentlichkeit zu übergeben. Zur Finanzierung der neuen Skulptur will der Verein Praeludium Spender und Sponsoren gewinnen. Die Kosten für die neue Skulptur belaufen sich auf rund 20 000 Euro – ein Vielfaches von dem, was die ursprüngliche Skulptur gekostet hatte. Der Handwerksmeister Oppl hatte 1984 die Installation für die Bewässerung des Weihers angelegt und eine Buchskulptur über dem Stein, aus dem das Wasser in den Weiher strömt, angefertigt. Nachdem sie erstmals gestohlen wurde, kopierte Oppl sein Werk und fertigte erneut 87 Bronzeblätter an, die zusammen ein aufgeschlagenes Buch ergaben. Oppl fertigte die Kopie ehrenamtlich an, lediglich den Materialwert von rund 1000 Euro stellte er der Stadt in Rechnung. Den Namen Lutherbibel erhielt die Skulptur durch das Buch „Offenbach – Blickfang Kunst“ von Leonore Blume und Angelika Amborn-Morgenstern.

„Eine Steinskulptur wird hoffentlich nicht so viele Anreize für Diebe haben wie eine kupferne“, sagt Eichenauer, der auch für die Kunstwerke im öffentlichen Raum verantwortlich ist. Diebstahl oder Zerstörung von Kunstwerken kämen aber nicht häufig vor. „Wir hatten hier einen bekannten Fall, als die bronzenen Schwäne am Friedrichsweiher mit einem Hammer zertrümmert wurden“, sagt er. Die rund 90 Zentimeter hohe Skulptur wurde von dem Künstler Rudolf August Ludwig Plaueln 1964 geschaffen und zeigte drei Schwäne, die ihre langen Hälse in verschiedene Richtungen streckten.

„Die Schwäne wurden komplett zerstört, die Reste lagern bei uns im Museumsdepot“, sagt Eichenauer, „nach ihnen wird immer wieder gefragt. Die waren für viele Offenbacher wie ein Wahrzeichen der Stadt.“ Da Plaueln 1971 verstarb und die Zerstörung so vollständig sei, habe man die Skulptur nicht mehr ersetzen können.

Ein anderer bekannter Fall war 2011, als Metalldiebe die Hände der zweieinhalb Meter großen Minotaurus-Skulptur des Künstlers Bernd Rosenheim an der Frankfurter Straße absägten. Die Skulptur war erst ein Jahr zuvor aufgestellt worden. Auch im nahen Hanau wurden im Frühjahr dieses Jahres die bronzenen Äpfel der Schneewittchen-Skulptur vom Märchenpfad kurz nach der Enthüllung gestohlen.

Laut Polizeipräsidium Südosthessen sind Diebstähle von Kunstobjekten in den vergangenen Jahren aber eher die Ausnahme gewesen. Im Kreis seien 2016 bisher zwei ältere Krippenfiguren aus einer Kirche in Rodgau-Jügesheim gestohlen worden.

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