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Balinesisches Kulturfest im Ledermuseum Farbenfrohes Feiern

Im Ledermuseum Offenbach haben sich am Wochenende hunderte Balinesen und Freunde der fernöstlichen Kultur getroffen - manch einer scheute nicht einmal den langen Weg von Rostock.

26.10.2009 00:10
Achim Ritz

Die alten Werte - etwa der respektvolle Umgang, das freundschaftliche Miteinander, die Nächstenliebe und Anerkennung sowie der Zusammenhalt der Familien - sind für Karl-Heinz Flügel Gründe, warum er vor 13 Jahren zum Hinduismus kam.

Der 53-Jährige besucht seit 30 Jahren die Insel Bali, wo im Vergleich zum übrigen Indonesien so gut wie keine Muslime, sondern viele Hinduisten wohnen. Flügel genießt dort das Leben in der Dorfgemeinschaft. "Wissen sie, so etwas finden Sie ja bei uns heute gar nicht mehr."

Im Ledermuseum Offenbach trafen sich am Samstag Hunderte von Balinesen mit Angehörigen und Freunden aus ganz Deutschland zum Kulturfest "Kuningan", das nach dem balinesischen Kalender alle 210 Tage gefeiert wird.

Geschenke wie an Weihnachten gibt es beim Kuningan nicht

Viele Leute bringen Obst mit, das auf dem Altar auf der Bühne aufgetürmt und gesegnet wird. Gegenseitige Präsente wie zu Weihnachten kennen die Balinesen bei "Kuningan" nicht. Viele Frauen kommen in farbenfrohen Kleidern, mit Kopfschmuck und künstlich verlängerten Haaren, die Männer im aus Stoffbahnen zusammengenähten Sarong.

Der 47-jährige Uli Rose ist aus Rostock an den Main gereist. Seine Frau kommt aus Bali. Aus Respekt gegenüber ihr und ihrer Religion beschäftigte sich der frühere Atheist mit dem Hinduismus. Uli Rose ist jetzt mittendrin. Im Ledermuseum verfolgt er die Gebete und Tempeltänze auf der Bühne, lauscht den musikalischen Darbietungen eines kleinen, am Rand sitzenden Orchesters - Klängen, die zumindest für die Ohren der Mitteleuropäer seltsam anmuten.

"Das sind Tonarten, die wir hier gar nicht kennen und die uns deshalb fremd vorkommen", sagt der 20-Jährige aus Indonesien stammende Trias aus Neu-Isenburg, der mit seiner Freundin Anastasia ins Ledermuseum gekommen ist. Die junge Frau ist ein Indonesien-Fan und studiert an der Frankfurter Uni Südost-Asien-Wissenschaften.

Ihr fällt beim Kulturfest auf, dass es viele Mischehen zwischen deutschen Männern und balinesischen Frauen gibt, aber viele Männer aus Südostasien offensichtlich keine deutsche Frau haben. Vielleicht liege das daran, dass die Indonesier eher schüchtern und zurückhaltend seien, vermutet Trias.

Andere Kulturen entdecken

So weit in die Feinheiten der Kulturen sind Michaela und Ulrich Keune aus Langen noch gar nicht vorgedrungen. Das Paar sitzt entspannt auf den brauen Ledersesseln im Saal des Museums und lässt sich von der Musik des Tempeltanzes berieseln.

"Wir sind offen für neue Kulturen und neugierig", sagt die Ärztin. Mit ihrem Mann besuche sie oft Kulturfeste wie beispielsweise den Afrikanischen Abend im Ledermuseum. Jetzt ist also Bali an der Reihe. "Wir sind gespannt, was hier noch passiert", sagt der Langener, und seine Frau resümiert nach einer Stunde schon mal, dass das Büfett exotisch und lecker gewesen sei.

Wiyogani Prior ist die Vorsitzende des Landesverbandes Hessen der Balinesen. Beim Kuningan-Fest findet die quirlige Frau keine ruhige Minute. Der Konsul kommt, die Freunde aus Marburg wollen mit Küsschen links und Küsschen rechts herzlich begrüßt werden und am Büfett kommt es schon bald zu Engpässen. In der langen Warteschlange davor sowieso, aber auch hinter dem Tresen, wo flugs nachgekocht werden muss, weil der eine oder andere Topf schon recht schnell leer ist.

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