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Ausstellung im Ledermuseum Werkzeug der Koketterie

Fächer als besonderes Instrument der Kommunikation / Ausstellung im Ledermuseum

14.04.2012 22:40
Monica Bielesch

Sie waren kokettes Accessoire, Symbol der Häuptlingswürde und militärisches Utensil: Fächer. Das sie zu mehr nutze sind und waren als zum Luft zufächeln zeigt das Ledermuseum in einer Sonderausstellung unter dem Titel: „Nur ein Hauch ... Fächer: ein besonderes Instrument der Kommunikation“. Ab dem 21. April demonstrieren über 50 besondere Exemplare die große Vielfalt dieses kulturhistorischen Objekts.

„Fächer sind ein komplexes ethnologisches Thema“, betont Christian Rathke, Direktor des Ledermuseums. Die meisten Stücke der Sonderausstellung stammen aus der Sammlung einer privaten Sammlerin, die ungenannt bleiben möchte. Viele Fächer sind jedoch aus dem ständigen Bestand des Ledermuseums, aus den Abteilungen Südostasien, Afrika oder der angewandten Kunst sowie aus dem Museumsmagazin.

Nina Frankenhausen, eine von zwei Restauratorinnen des Museums, demonstrierte einen Rundfächer aus der osmanischen Abteilung: Der Griff ist aus Elfenbein, die kreisförmige Fächerfläche aus Pergament. Ein großer weißer Fächer aus dem Jahr 1880 besteht aus sogenannter Schwanenhaut. „Das ist die Haut von ganz jungen Ziegen“, erläuterte Frankenhausen.

Den Schwerpunkt der Sonderausstellung bilden allerdings Brisée-Fächer, sie sind aus Schildpatt, Horn, Perlmutt, Celluloid, Holz oder Leder. Brisée-Fächer bestehen aus mehreren länglichen, keilförmigen Stäben, die zusammengebunden werden. Die Fotokünstlerin Karin Nedela schätzt an den Brisée-Fächern ihre Schlichtheit. Die in Offenbach ansässige Künstlerin mit einem Faible für Fächer wird zur Ausstellungseröffnung am Freitag, 20. April, – begleitet vom Konzertgitarristen Talib Richard Vogl – eigene Texte über Fächer lesen. Gemeinsam wollen die zwei in einer Performance die Eigenarten der einzelnen Fächer betonen.

So galt in Afrika der Fächer als ein Zeichen der Würde für einen Stammeshäuptling. „Es war wie ein Zepter oder Schwert“, so Christian Rathke. Im Buddhismus gilt der Fächer noch heute als Glückssymbol und ist wichtiges Utensil buddhistischer Mönche und im alten Japan trugen Samurai-Anführer einen Fächer. Teils als versteckte Waffe oder auch als Signalobjekt in einer Schlacht. Erst in Westeuropa, wohin der Fächer im 16. Jahrhundert kam, wurde das handliche Objekt zum Accessoire der reichen Damen, und damit ein Werkzeug der Koketterie.

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