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Ausstellung Ein Bildreporter ohne Kamera

Orient-Kenner Karl Schmitt-Korte zeigt Lithographien von David Roberts

25.04.2012 23:44
Oliver Heil
Hier hat David Roberts eine Straßenszene festgehalten. Foto: T. Richter

Ich habe bei Shell immer hierfür gearbeitet“, sagt Karl Schmitt-Korte und klopft sich auf die rechte Hosentasche. „Und hier“, fügt er hinzu und klopft sich auf die linke Brusttasche seines Hemdes, dahin, wo sein Herz schlägt, „habe ich immer für den Orient gearbeitet.“ Bei Shell arbeitete der heute 72-jährige Offenbacher als Chemiker. Der Orient ist seine Passion. In der antiken Felsenstadt Petra hat er sich mit Beduinen angefreundet und gelernt, die Schrift der alten Nabatäer zu lesen. Er kann sich auf Arabisch und Hebräisch verständigen und hat fast alle arabischen Länder bereist.

Völlig unbekannter Künstler

1974 erhielt er den jordanischen Unabhängigkeitsorden aus den Händen von König Hussein, und 1961 gehörte er der ersten deutschen Studentengruppe an, die offiziell durch Israel reisen durfte. Auf dieser Reise ist es passiert. Er entdeckte in einem Jerusalemer Antiquariat eine Lithographie, die das in den Fels gehauene Schatzhaus von Petra zeigt. Als Urheber zeichnete ein dem jungen Schmitt-Korte unbekannter David Roberts. Für 7,50 Dollar kaufte er den Kunstdruck.

Jetzt will Karl Schmitt-Korte einen Teil seiner Orient-Erfahrungen mit seinen Offenbacher Mitbürgern teilen. Lithographien des Schotten David Roberts sind seit dieser Woche im Haus der Stadtgeschichte zu sehen. „Eine romantische Reise in den Orient“ heißt die Ausstellung und basiert auf sechs Kunstdruckbänden von 1847. Schmitt-Korte ist größter Leihgeber, der Rest stammt von Sammlern und Museen.

„Es ist ein Phänomen“, sagt Schmitt-Korte, „dass dieser wunderbare Künstler in Deutschland völlig unbekannt ist.“ Deshalb ist das Haus der Stadtgeschichte in Offenbach, der Wiege der Lithographie, nun der Ort auf dem europäischen Kontinent, an dem die erste Werksausstellung von Roberts zu sehen ist.

„Er hat halt die Architektur des Orients gemalt, nicht die Haremsdamen oder wie der Kalif vom Pferd fällt.“ Noch weniger bekannt ist Roberts’ kongenialer Partner Louis Haghe, der die meisten der Lithographien nach Zeichnungen von Roberts auf Schablonen für die Steindruckmaschine übertrug.

Die Drucke zeigen das alte Jerusalem, äthiopische Sklavinnen oder einen Sandsturm, der auf die Große Sphinx von Giseh zurast. Die Ausstellung bietet aber mehr als die fein konturierten und liebevoll teilkolorierten Kunstdrucke. Von einem Diözesanmuseum erhielt Schmitt-Korte für die Offenbacher Ausstellung eine kunstvoll geschnitzte Grabeskirche von 1650. In einer Vitrine liegen zwei riesige Originalbände in prachtvollem braunen Ledereinband, jeder bestimmt fünf Kilo schwer, versichert der Sammler.

Beim Anblick der Bände versteht man, dass David Roberts für das Europa der 1840er Jahre so etwas wie ein besonders verwegener und begabter Fotoreporter gewesen sein muss, einer der unbekannte Länder bereiste. Zu den Subskribenten gehörten Queen Victoria und der russische Zar.

Die Ausstellung bleibt nach der Eröffnung weiter in Bewegung. Ausstellungsmacher Schmitt-Korte, der sich selbst als „großen Improvisateur“ bezeichnet, arbeitet jeden Tag an den Begleittexten. ihm fällt immer noch ein Stück ein, das unbedingt dazu muss.

Er will noch ein paar Werke hinzufügen, die den Besuchern etwas über Petra verraten. Immerhin sei der Anlass für die Ausstellung nicht nur der 170. Jahrestag der Erstausgabe von Roberts’ Bildbänden, sondern auch der 200. Jahrestag der Wiederentdeckung des antiken Petra. Wenn es klappt, gelingt dem großen Improvisateur gar eine zweite Vernissage, speziell für den Petra-Teil der Ausstellung. Bloß ein Termin fehlt noch – wann der jordanische Botschafter Zeit hat.

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