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Attraktion Schneckenberg Von der Mülldeponie zum Ausflugsziel

Der Schneckenberg hat viele Fans. Doch die Zukunft der früheren Mülldeponie ist offen. Von Stephen Wolf

15.09.2009 00:09
Stephen Wolf

Offenbachs höchste Erhebung, der Schneckenberg mit 179 Metern, hat sich zu einer kleinen Attraktion gemausert. Im Winter kommen die Leute und wollen auf dem abgesperrten Gelände Schlitten fahren, im Sommer wollen die Wanderer den grünen Hügel der Stadt erklimmen. Selbst an einem eher ungemütlichen Septembernachmittag, wie am vergangenen Sonntag, kamen mehr als 1000 Besucher auf die ehemalige Deponie Grix, um dort bei Bratwurst und Live-Musik die Fortschritte auf dem Schneckenberg zu besichtigen.

Längst hat sich eine feste Anhängerschaft des von der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft ESO betreuten und abgesperrten Hügels gebildet. Tatsächlich handelt es sich beim Schneckenberg um ein interessantes Areal, dessen drei Hektar Fläche die Phantasie vieler Offenbacher anregt. Allein die Geschichte des ehemaligen Steinbruchs, der noch vor zwei Jahrzehnten mit Trümmerschutt, Haus-, Gewerbe- und Industriemüll überhäuft wurde, erscheine vielen Leuten als abenteuerliches Relikt früherer Tage, glaubt Klaus Keller vom Offenbacher Verwaltungs- und Organisationsverein (OVO).

Rekultivierung bis 2010

Aufgrund ausgetretener giftiger Gase wurde der Schneckenberg für die Öffentlichkeit gesperrt. Zwischen 1999 und 2005 wurde die ehemalige Mülldeponie saniert. Doch mehr als die Vergangenheit bewegt den Vorsitzenden des Kulturvereins, dessen Zentrum direkt am Fuße des Schneckenbergs liegt, die Zukunft des Geländes. "Wir haben immer wieder Vorschläge für die Weiterentwicklung des Schneckenbergs gemacht, jetzt warten wir ab, wie sich die Kommune entscheidet", sagt Keller. Auch ESO und Stadtwerke haben Pläne für den beliebten Gipfel.

Ein Teil des Hanges könnte mit Photovoltaikanlagen bebaut werden. Für 2010 ist die Veröffentlichung eines entsprechenden Gutachtens von der Rhein-Main-Deponienachsorge vorgesehen. Die entscheidende Frage ist, ob eine Anlage für Solarenergie nicht das Dichtungssystem der Deponie in Mitleidenschaft zieht. Denn weil der 18 Meter tiefe Steinbruch bis in die 80er Jahre hinein mit Schutt und Industriemüll verfüllt wurde, den man nicht ausgraben wollte, setzte man dem Hügel eine Art Kondom auf. Die Sanierer entschieden sich für ein Kapillarsperrsystem, bei dem Feinsand verhindert, dass Regen in die Tiefen des Hügels eindringt.

Wie Projektleiter Hartmut Krähling den Besuchern am Sonntag bei einer Führung über das Gelände berichtete, ist 2010 die Rekultivierungsphase des Schneckenbergs abgeschlossen. Um zu kontrollieren, inwieweit die Abfälle noch immer Einfluss auf Umwelt und Grundwasser nehmen, seien 15 Messstellen aktiv. Sie registrieren auch, ob und wie viel Deponiegas freigesetzt wird. Erst wenn die Rekultivierungsphase abgeschlossen ist, werden die Weichen für die Zukunft gestellt.

"Wir sind für alles offen", sagt Klaus Keller vom Kulturzentrum Schneckenberg. Auch mit einer Photovoltaikanlage könne man sich arrangieren. Das würde im übrigen auch zu der Vision eines Naherholungsgebietes passen. "Wir finden, dass gerade Schulklassen auf dem Schneckenberg eine gute Kombination aus Ausflugsziel und Lehrpfad finden könnten", sagt Keller. Würde eine Photovoltaikanlage dort oben stehen, umso besser. Wie die funktioniert, könnte man den Besuchern ja auch erklären", sagt Keller.

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