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Armut in Offenbach Pfandsammler müssen nicht mehr im Müll wühlen

In der Offenbacher Innenstadt sollen sogenannte Pfandringe an Mülleimern den Pfandsammlern das Wühlen im Müll ersparen – und Aktivisten haben Holzkisten zum Tauschen aufgehängt.

Offenbach
Marcus Wöll vom Verein Stadtmenschen nutzt einen der neuen Tauschkästen. Foto: Rolf Oeser Foto: Rolf Oeser

In Frankfurt hat es nicht geklappt, in Offenbach gibt es sie nun: an Mülleimern angebrachte Konstruktionen für die Flaschen, was Pfandsammlern das Wühlen im Müll ersparen soll. In Frankfurt gab es Bedenken, dass so auch Menschen das Pfand aufsammeln könnten, die nicht darauf angewiesen sind. In Offenbach entschieden sich die Stadtverordneten dafür, es trotz Negativerfahrungen in anderen Städten einmal zu probieren.

50 sogenannte Pfandringe bringt die Stadt dieser Tage über Mülleimern an Laternenmasten an – in der Fußgängerzone, am Maindamm und auf der Hafeninsel. Das 10 500 Euro teure Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt – als Feldversuch. Wenn es klappt und zu keinen Problemen etwa mit Müllablagerungen kommt, könnten die Ringe zum Pfandabstellen dauerhaft an den Laternenpfosten bleiben. „So können wir mit geringem Aufwand Angebot und Nachfrage zusammenbringen, ohne dass Menschen, die auf dieses zusätzliche Zubrot angewiesen sind, mit der Hand im Abfall suchen“, sagt der zuständige Dezernent und Bürgermeister Peter Schneider (Grüne).

Bereits vor einigen Wochen haben Aktivisten vom Verein „Stadtmenschen“ angefangen, in der Innenstadt sogenannte Open Bridges zu befestigen – kleine Holzkästen, auf denen man all das abstellen kann, was man nicht mehr braucht, von dem man aber denkt, dass es anderen noch Freude machen könnte. Das können Bücher sein oder Klamotten – oder auch mal ein Duschgel, dessen Geruch man nicht so mag.

„Wir wollen damit auch Brücken schlagen zwischen den Menschen“. sagt Stadtmensch Marcus Wöll, der das Projekt mit ins Leben gerufen hat. An den Kästen könne man sich eben auch austauschen und vielleicht neue Nachbarn kennenlernen. Und es sei auch ein Stück Engagement: „Wir wollen nicht nur auf die Politik schimpfen, sondern die Dinge selber in die Hand nehmen“, sagt Wöll.

13 solch kleiner Holzkästen hat der Verein bis jetzt in Offenbach aufgehängt – vier sind allerdings schon wieder verschwunden. „Vielleicht wurden sie von den Entsorgungsbetrieben abgehängt“, mutmaßt Wöll. Mit den Behörden haben sich die Stadtverschönerer noch nicht über ihre Aktion unterhalten – man wollte erstmal „einfach machen“. Der Leiter des Ordnungsamts, Peter Weigand, sagt, dass solche Kisten „theoretisch“ genehmigungspflichtig seien. Diese Aussage kann man so verstehen, dass die Stadt eben auch mal ein Auge zudrückt – sie im Gegenzug aber gerne auch über solche Aktionen informiert wird.

Gezimmert haben die Kästen Mitglieder des Vereins in einem Workshop in der Kapelle, einem Veranstaltungsraum der Hochschule für Gestaltung (HfG). Die Idee für die schlichten Holzkonstruktionen mit den leuchtend orangefarbenen Kordeln kommt von Robin Weidner. Der gelernte Schreiner und Designstudent ist auch bei den Stadtmenschen aktiv und hatte die Idee während eines Auslandssemesters im kanadischen Vancouver.

„One man’s trash, another man’s treasure“ sei eines der Leitmotive der Aktion, schreibt Weidner, der gerade in den Niederlanden ist, um „Social Design“ zu studieren. „Des einen Müll ist des anderen Schatz“ könnte man den Spruch übersetzen. Weidner denkt auf jeden Fall in großen Kategorien: „Es ging uns auch darum, unseren Konsum und die Beziehung zu Gegenständen und Ressourcen zu überdenken“, so Weidner. Die hängenden Kisten sind also auch ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft.

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