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Ärger mit Denkmalschutz Bieberer Bahnhof ist verkauft

Marcus Müller kauft von einer Tochter der Deutschen Bahn den mehr als 100 Jahre alten Bahnhof in Bieber. Nun hadert der Besitzer mit dem Denkmalschutz, denn die Behörden gaben zunächst falsche Auskünfte. Von Wiebke Rannenberg

Der Besitzer des Bahnhofs fürchtet, dass der Denkmalschutz ihm Nachteile bringen könnte: "Das ist unzumutbar, das Gebäude so erhalten zu müssen." Foto: Michael Schick

Marcus Müller hat ein Haus gekauft. Nicht irgendeines, sondern den mehr als 100 Jahre alten Bahnhof in Offenbach-Bieber. Doch glücklich scheint er nicht mit dem neuen Besitz zu sein, den er zum 30. Dezember 2009 von einer Tochter der Bahn gekauft hat. Der Unternehmer fürchtet, dass der Denkmalschutz ihm Nachteile bringen könnte: "Das ist unzumutbar, das Gebäude so erhalten zu müssen." Deshalb habe er, um seine eigene Firma Calwa IT-Services zu schützen, zum Kauf eine eigene Firma gegründet, die Gefoi GmbH.

Dabei drückt schon der Name "Gesellschaft für Offenbacher Irritationen" seinen Unmut aus: Denn besonders verärgert ist Müller darüber, dass sich der Denkmalstatus erst spät herausgestellt hat - nachdem ihm die Behörden mehrmals anderes gesagt hatten.

Amt räumt Fehler ein

"Da hat es am Anfang einen Fehler gegeben", räumt Professor Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen, ein. Ansonsten könne er die Aufregung von Marcus Müller aber nicht verstehen, er habe den Bahnhof ja schließlich doch gekauft - im Wissen um den Status. Und er weist auf große Steuervorteile für Kauf und Sanierung hin.

Das sieht Müller anders: Er fordert von der Stadt, namentlich von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), dass diese ihm bisherige und künftige Ausgaben ersetzt. Dazu gehören unter anderem nicht nur erhöhte Sanierungskosten durch den Denkmalstatus und die Zustandsverschlechterung durch die Verzögerungen, sondern auch Steuern und die Sicherung des Gebäudes.

Gleichzeitig schildert Müller in dem Brief den Ablauf aus seiner Sicht: Im Mai 2006 trifft er sich mit Amtsvertretern im Offenbacher Rathaus, um über Kauf und Umbau zu sprechen. Damals, im Mai 2008, hieß es: kein Denkmalschutz. Im Juni 2008 jedoch forderte der kommunale Denkmalbeirat die Landesbehörde auf, den gelben Backsteinbau von 1896 unter Schutz zu stellen. Die lehnte das zunächst ab. Erst Anfang Dezember 2008, kurz vor Vertragsabschluss, habe er zufällig erfahren, dass das Haus doch in einer Denkmaltopographie steht: "Eisenbahnen in Hessen".

Der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Offenbach, Helmut Reinhardt, bestätigt, dass er zunächst davon ausgegangen sei, dass der Bahnhof keinen Denkmalschutz habe. Das habe die Landesbehörde so mitgeteilt, sagt er und verweist alle Nachfragen an selbige. Der Fehler wurde offenbar verursacht, weil der Bahnhof durch einen "redaktionellen Fehler", wie das Landesamt im März 2009 schrieb, nicht in der offiziellen "Denkmaltopographie Stadt Offenbach" auftaucht.

Unterdessen haben sich die Pläne Müllers für den desolaten Bau nicht geändert: Im Bahnhofsgebäude Büros von Calwa IT-Service und ein Bistro für die Pendler, daneben in einem neuen Anbau eine Gastwirtschaft. Dies muss er mit dem Bauamt und dem Denkmalschutz abstimmen. Denn, so betont Reinhardt, Denkmalschutz bedeute ja nicht, dass er nichts machen könne an dem Bahnhof.

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