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Nachbarschaftsstreit Darmstadt Ein Zaun als Zankapfel

Anwohner der Kölner Straße in Darmstadt können ihre Gartentore nicht mehr nutzen. Benachbarte Wohnungseigentümer haben einen Zaun errichten lassen, um den Zutritt zu ihrem Privatgrund zu unterbinden. Jetzt kann Müll nicht mehr abgefahren werden.

13.12.2012 12:49
Durch das blockierte Tor brachte Fred Kettner sonst die Biotonne an die Straße. Foto: Claus Völker

Auf den ersten Blick ist es ein Kuriosum. Auf den zweiten Blick auch. Da steht, als Begrenzung eines Reihenhausgartens, ein Metallzaun. Und direkt dahinter, mit nur wenigen Zentimetern Abstand drangebaut, schließt sich ein zweiter Metallzaun an. Doppelt gemoppelt quasi. Hält aber in dem Fall nicht nur besser, sondern versperrt auch das Gartentörchen, durch das man einst hinaustreten konnte.

Für Reihenhausbesitzer Fred Kettner ist die Zaun-an-Zaun-Konstruktion in der Kölner Straße mehr als ein Kuriosum: Die Absperrung, die ihm Ende September vor die Gartentür gesetzt wurde, ist für ihn eine inakzeptable Beschränkung: „Ich komme weder rein noch raus.“

Wie ist es dazu gekommen? 2007 erwarb und bezog Kettner eines der Reihenhäuser in der Kölner Straße, dessen Gärten direkt an Parkplätze angrenzen. Diese Stellfläche gehört zu Wohnungen in Blöcken gegenüber, die der Bauverein ab dem Jahr 2002 an Privateigentümer verkauft hat.

Mündlich erteiltes Wegerecht

Die in der Folge gegründete Gemeinschaft der Wohnungseigentümer hat im Sommer beschlossen, die zu ihrem Besitz gehörenden Parkplätze von den Reihenhausgärten abzugrenzen und damit den Zutritt zu ihrem Privatgrund zu unterbinden.

Dadurch ist das Tor von Kettner nun blockiert. Die Gartenausgänge aber – außer seinem seien in der Reihe noch drei weitere verrammelt – erfüllten eine wichtige Funktion: Durch sie wären bisher die Biotonnen über die Parkplätze hinweg auf die Kölner Straße gerollt worden, damit die Müllabfuhr sie leeren kann. Zudem bestehe seit Jahren ein mündlich erteiltes Wegerecht von einzelnen Parkplatzbesitzer an die angrenzenden Reihenhauseigentümer. Nur ein Eigentümer habe dies verweigert, und dieser habe auch die Initiative für die Zaunerrichtung ergriffen. Der Beschuldigte jedoch bestreitet Kettners Version. Vielmehr hätten andere in der Eigentümergemeinschaft Kratzer an ihren Autos beklagt, die womöglich von Reihenhausbewohnern verursacht worden seien – etwa beim Biotonnen-Vorbeirollen. „Ich kann verstehen, dass der eine oder andere Reihenhausbesitzer verärgert ist“, sagt der Mann, der seine Wohnung vor elf Jahren gekauft hat. Aber es sei nun mal legitim, seinen Besitz einzuzäunen.

Anzeige wegen Nötigung

Fred Kettner will das nicht auf sich sitzen lassen: „Wir wollen unsere Ausgänge wie zuvor nutzen.“ Aber der 63-Jährige weiß auch, dass er da schlechte Karten hat: Die Reihenhäusler haben kein offizielles Wegerecht für den Zugang durch ihre Gartentore. Und nach Auskunft der Stadt bedarf es laut der hessischen Bauordnung für Einfriedungen bis zwei Metern Höhe auch keiner Baugenehmigung.

Aus dem Kreis der Reihenhausbesitzer in der Kölner Straße ist mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Nötigung eingegangen – gegen einige Wohnungseigentümer, die Hausverwaltung, die ausführende Firma und den Bauverein. (aw.)

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