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Polizeieinsatz in Mainz Razzia bei der Drogenhilfe

Die Polizei durchsucht die Räume des städtischen Drogenhilfezentrums Café Balance in Mainz. Besucher und Mitarbeiter stehen unter dem Verdacht, gedealt zu haben.

09.05.2012 21:53
Armin Seibert
Der Einsatz dauerte vier Stunden. Foto: Bernd Eßling

Die Polizei durchsucht die Räume des städtischen Drogenhilfezentrums Café Balance in Mainz. Besucher und Mitarbeiter stehen unter dem Verdacht, gedealt zu haben.

Über 100 Polizeibeamte durchsuchten gestern vier Stunden lang das städtische Drogenhilfezentrum „Café Balance“ im Waldstück an der Augustusstraße nahe der Kupferbergterrasse. Bei der Razzia waren auch Drogenspürhunde eingesetzt, die jeden Winkel im Café, in der Küche und in Aufenthaltsräumen durchschnupperten.

„Es bestand der Verdacht, dass hier offen gedealt wird. Aufgrund entsprechender Hinweise mussten wir handeln“, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth. Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit 2011 wegen Betäubungsmittelhandels gegen mehrere Personen. Sie stehen im Verdacht, die Einrichtung für illegale Rauschgiftgeschäfte missbraucht zu haben.

Zwei Tatverdächtige wurden bei der gestrigen Razzia festgenommen. Es handelt sich um eine 29-jährige Frau und einen 47-jährigen Mann, gegen die bereits Haftbefehle vorlagen. Bei den Durchsuchungen, die neben dem Café Balance auch zwei weitere Objekte im Raum Mainz betrafen, wurden geringe Mengen Rauschgift und Betäubungsmittel-Utensilien sichergestellt. Aber auch gegen Beschäftigte der Einrichtung bestehe der Verdacht, den Handel mit Drogen gebilligt zu haben.

Aufgrund der Örtlichkeit in und um das Café Balance habe man starke Polizeikräfte einsetzen müssen, begründete Mieth den umfangreichen Einsatz. Man habe so den Erfolg der Razzia sicherstellen wollen.

Ein Mann und eine Frau festgenommen

Das Café Balance liegt idyllisch im Wald an einem Sportplatz und ist mit starken Zäunen umgeben. Rund um die Einrichtung gibt es etliche Trampelpfade im Wald. „Das war heute Morgen ein Riesen-Aufstand“, zeigte sich ein Anwohner des benachbarten Haus Zagreb beeindruckt vom Polizeiaufmarsch.

Während der Aktion saßen die Mitarbeiter des Cafés vor der Tür und harrten der Dinge. „Kein Kommentar“, hieß es von ihnen nur. Das fünfköpfige Team und die 13 im Drogenhilfezentrum beschäftigen Honorarkräfte wussten da noch nicht, dass ihre Einrichtung „erst mal dichtgemacht“ wurde, wie es Stadt-Pressesprecher Markus Biagioni später ausdrückte.

„Aus den bislang vorliegenden Ermittlungsergebnissen ergaben sich auch Verdachtsmomente, dass zumindest einzelne Mitarbeiter der Einrichtung die Aktivitäten toleriert haben und von daher als mitverantwortlich anzusehen sind,“ teilten Staatsanwaltschaft und Polizei gestern Nachmittag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Oberstaatsanwalt Mieth dazu: „Es gibt keine Verdachtsmomente, dass die Mitarbeiter selbst gedealt haben. Vielmehr geht es um die Frage: Wieso kriegen die das nicht mit?“

Der Anfangsverdacht der Mitwisserschaft richte sich gegen alle Mitarbeiter, also auch den Leiter der Einrichtung. Von weiteren Haftbefehlen im Zuge der Razzia sei derzeit nicht auszugehen, sagt Mieth, der dem Balance-Team keine ausdrücklichen Sanktionen auferlegt.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Café Balance? Dazu verwies Oberbürgermeister Michael Ebling lediglich auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Auch Pressesprecher Markus Biagioni wollte sich noch nicht festlegen bei der Frage, ob die Mitarbeiter nun weiterarbeiten können oder nicht. In einer Presseerklärung schreibt er unter anderem: „Die Stadt hat die Einrichtung zunächst geschlossen, bis weitergehende Erkenntnisse vorliegen. Betroffene können sich in Notfällen direkt an die kommunale Jugend- und Drogenberatungsstelle Brücke wenden.“ Sie ist unter Telefon 06131/2345-77 und -78 erreichbar.

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