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Neue Synagoge in Mainz Anschlag mit Molotow-Cocktail

Eine Brandsatz-Attacke auf die neue Synagoge sorgt für große Aufregung in Mainz - und weit darüber hinaus. Außenminister Westerwelle spricht von einer "verabscheuungswürdigen Tat".

01.11.2010 12:44
Die neue Synagoge in Mainz Foto: dapd

Unbekannte Täter haben in der Nacht zum Sonntag in der Nähe der neuen jüdischen Synagoge in Mainz einen Brandsatz gezündet. Zeugen hätten eine kurze aufleuchtende Stichflamme in der unmittelbaren Nähe des Gebäudes bemerkt, teilte die Polizei mit. Ersten Ermittlungen zufolge wurde vermutlich eine Art Molotowcocktail von der Straße an einen Baum geworfen.


Laut Polizeiangaben ist es zu keinem Schaden an der Synagoge gekommen. Erste Analysen der Spuren haben ergeben, dass der Brandsatz von dem Baum abprallte und auf dem Boden verpuffte. Staatsanwaltschaft Mainz und Polizei nahmen die Ermittlungen auf.


Der Anschlag in Mainz war schon der zweite auf eine rheinland-pfälzische Synagoge in diesem Jahr. Mitte Mai hatten Unbekannte in der Wormser Synagoge an mehreren Stellen Feuer gelegt. Die Flammen konnten damals schnell gelöscht werden. Die Beseitigung der Brandschäden kostete rund 32 000 Euro. Von den Tätern fehlt bislang jede Spur.


Politiker verurteilten den jüngsten Anschlag in Mainz. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer „verabscheuungswürdigen Tat“ und erklärte: „Ich setze darauf, dass sie schnell aufgeklärt wird. Antisemitismus darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.“


Israels Botschafter Yoram Ben-Zeev sagte der Nachrichtenagentur dapd, er vertraue den deutschen Behörden bei der Aufklärung des Falls. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, kritisierte, dass eine solcher Vorfall „in der veröffentlichten Meinung sang- und klanglos verpufft“.


Auch der rheinland-pfälzische Innenminister, Karl Peter Bruch (SPD), zeigte sich in einer Mitteilung des Ministeriums entsetzt. „Das ist ein Angriff auf unsere Demokratie, auf unsere grundlegenden Werte der Toleranz und des friedlichen Miteinanders“, sagte er. Die Synagoge in Mainz wurde Anfang September eingeweiht. Sie war an der Stelle errichtet worden, wo sie vor ihrer Zerstörung durch die Nazis 1938 gestanden hatte.


Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) bedauert mögliche Folgen des Vorfalls: "Wenn sich heraus stellt, dass es einen rechtsextremen oder antisemitischen Hintergrund für die Tat gibt, dann müssen wir alle - Gemeinde, Stadtrat, Polizei und Verwaltung - grundsätzlich überdenken, wie sich die Sicherheit und Unversehrtheit der Synagoge herstellen lässt." (dapd/dpa/FR)

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