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„Kirche ist nicht die einzige moralische Instanz“

Am Gründonnerstag steigt wieder ein kollektiver Kirchenaustritt in Mainz

16.02.2012 23:21
Alexandra Schröder

Gottlose kann es gar nicht genug geben. Findet zumindest Thorsten Barnickel, zweiter Vorsitzender der Mainzer Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). Mit dem Onlinemagazin Ficko plant die Gruppe eine Neuauflage der kollektiven Kirchenaustrittsaktion von 2011.

Gerade mal 35 Willige hatten sich damals im Standesamt getroffen und unter Jubelrufen ihren Austritt zelebriert. Wie viele Ungläubige sich diesen Gründonnerstag treffen, steht in den Sternen, denn die Planungen haben erst begonnen.

„Wir haben noch nicht großflächig beworben“, berichtet Barnickel. Die Veranstalter sprechen Künstler, Studenten und säkulare Gruppen an, bundesweit sollen sich Organisationsteams für einzelne Städte finden. Neben Mainz, wo die Fäden zusammenlaufen, ist für Wiesbaden, Trier, Köln, Osnabrück und Mannheim die kollektive Abwendung geplant.

„Ein kleiner Aus-Tritt für dich – ein großer Fort-Schritt für alle“, haben die Organisatoren unter ihren Aufruf geschrieben. Wer Barnickel fragt, warum die Kirchenmüden nicht in aller Stille austreten, der bekommt eine fast empörte Antwort: „Kirchen präsentieren sich mit teils bedenklichen Aussagen im öffentlichen Raum. Gehen wir in die Öffentlichkeit, wird das als Provokation empfunden.“ Der Biologe, der vor allem mit kirchlichen Aussagen zu Sexualmoral und Evolution gelinde gesagt nichts anfangen kann, fügt aber an: „Damit das nicht falsch verstanden wird: Wir sind für Religionsfreiheit. Wer in der Kirche sein oder an Gott glauben möchte, soll das auch dürfen. Wir wollen jedoch zeigen, dass es Alternativen gibt, etwa in Ethik und Philosophie. Die Kirche ist nicht die einzige moralische Instanz.“

Zahlreiche Argumente für eine Abwendung haben die Gottlosen auf www.hasenfest.org/warum.html zusammengetragen. Den Vorwurf, sie seien nur zu geizig für die Kirchensteuer und genervt vom Tanzverbot an Karfreitag, wollen sie nämlich nicht stehen lassen. Neben weltanschaulichen nennen sie jedoch auch finanzielle Gründe und beziehen sich damit auf die Website www.kirchenaustrittsjahr.de, bei der der Koordinationskreis Kirchenaustrittsjahr c/o Alibri Verlag im Impressum genannt ist.

Wer an Gründonnerstag, 5. April, dabei sein möchte, sollte laut Veranstaltern gute Laune, Ausweis und 20,45 Euro Austrittsgebühr mitbringen. „Eine dem Anlass Hasenfest entsprechende Kleidung wird gerne gesehen“, schreiben die Initiatoren. Wer an Fastnacht als Häschen herumhoppelt, sollte das Kostüm also nicht in die Tonne kloppen. Übrigens: Die ersten Ausgetretenen bekommen ein Überraschungsei.

Infos zu Austritten gibt's auf www.mainz.de im Kapitel Dienstleistungen. Mehr zur Aktion 2011: www.ku-rz.de/gottlos.

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