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Grüner OB-Kandidat Günter Beck übt schon die Siegerpose

Grünen-OB-Kandidat spricht im FR-Interview über gute Laune in seiner Partei, die Handkäsmafia, die Konkurrenz und das Geld.

26.11.2011 21:31
Entschlossen in den Wahlkampf: Günter Beck. Foto: Harry Braun

Als Bürgermeister und Finanzdezernent ist Günter Beck der zweite Mann an der Stadtspitze. Doch das genügt dem 55-Jährigen nicht. Bei der OB-Wahl will der Grüne aus Gonsenheim als Sieger dastehen. Und wenn es am 11. März noch nicht reicht, will Beck spätestens zwei Wochen später bei der Stichwahl triumphieren. Seine Partei steht geschlossen hinter ihrem Hoffnungsträger.

Herr Beck, bei Ihrem Nominierungsparteitag herrschte regelrechte Euphorie. Das ist für die diskutierfreudigen Grünen nicht gerade typisch.

Das stimmt. Ich bin sehr stolz, wie meine Partei damit umgeht. Das zeugt von einer riesigen Aufbruchsstimmung, sehr viel Hoffnung, aber auch einer immensen Erwartung.

Um die zu erfüllen, müssen Sie nicht nur im Grünen-Lager erfolgreich sein. Haben Sie Chancen in anderen Gesellschaftskreisen?

Wer mich kennt, weiß, dass ich Mainzer durch und durch bin. Ich packe die Aufgaben mit Herzblut an und bin Garant dafür, auch unbequeme Wege zu gehen.

Reicht das für einen Erfolg aus?

Ich denke, dass meine Geradlinigkeit und unternehmerische Leistung bei den Mainzerinnen und Mainzern anerkannt werden.

Sie treten mit dem Anspruch an, die Handkäs-Politik in Mainz beenden zu wollen. Sind Sie denn selbst ein Saubermann?Meine Weste ist blütenrein.

Als Pächter der „Alten Patrone“ hatten Sie sich mit der Wohnbau über die Höhe der Pachtzahlungen gerichtlich auseinandergesetzt. Ist es seriös, Pachtverträge per Handschlag zu besiegeln?Wenn Sie mit Handschlag meinen, dass ich buchstäblich über Nacht das Restaurant in der Alten Patrone übernommen habe, weil dort der alte Pächter die Flucht ergriffen hat, dann gab es ihn. Aber natürlich gab es direkt im Anschluss einen Vertrag. Ich bestehe immer auf Verträgen.

Wo war dann das Problem?Das Problem war, dass diese Verträge im Nachhinein durch andere handelnde Personen anders ausgelegt wurden. Diese Meinungsverschiedenheiten zwischen der Wohnbau und mir – resultierend aus nicht eindeutig formulierten Verträgen – sind mit einem vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich beendet worden.

Das wird Sie nicht davor bewahren, dass der politische Gegner das Thema am Kochen hält.

Davon muss man wohl ausgehen.

Was verstehen Sie überhaupt unter der Handkäsmafia?

Das sind die bekannten Dinge, die in der Vergangenheit falsch gelaufen sind und gerade vor dem Landgericht in Koblenz aufgearbeitet werden. Politik darf sich nur an den Interessen des Gemeinwohls orientieren und nicht an den Einzelinteressen politischer Entscheidungsträger.

Wie wollen Sie dieses Beziehungsgeflecht auflösen?Durch Klarheit und Transparenz. Das betrifft nicht nur die Politik, auch die Stadtverwaltung.

Wie ist die Stimmung bei den städtischen Mitarbeitern?

In der jüngsten Personalversammlung gab es deutliche Kritik.

... der Sie sich als Bürgermeister und möglicher Oberbürgermeister stellen müssen.Selbstverständlich. Insgesamt ist eine Neustrukturierung ein langer Prozess.

Erhöht die öffentliche Diskussion um Personalkürzungen den Frustfaktor bei den Beschäftigten?Ich erlebe jeden Tag motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die offen für Veränderungen sind und ganze Arbeit leisten.

Wollen Sie sich deshalb im Falle eines Wahlsiegs vornehmlich um das Innenleben der Stadtverwaltung und weniger um Repräsentation nach außen kümmern?Ein Oberbürgermeister ist natürlich der höchste Repräsentant der Stadt. Ungeachtet dessen halte ich es für wichtig, zunächst die Strukturen neu aufzustellen. Nehmen Sie die Diskussion um die Überstunden bei der Feuerwehr. Das sind Schwelbrände, die gelöscht werden müssen.

Neben dem CDU-Bewerber Lukas Augustin tritt auch der SPD-Vorsitzende Michael Ebling gegen Sie an. Belastet es die Ampelkoalition, wenn zwei führende Repräsentanten des Bündnisses Konkurrenten sind?Es kommt darauf an, wie sich beide Partner begegnen. Ich gehe davon aus, dass es eine faire und sachliche Auseinandersetzung sein wird. Das betrifft sowohl den Umgang zwischen Michael Ebling und mir als auch das Verhältnis zwischen SPD und Grünen.

Und der Umgang mit Augustin?Auch der wird sachlich sein. Diese Auseinandersetzung wird eher über den CDU-Kreisvorsitzenden Wolfgang Reichel laufen. Er hat ja schon selbst erklärt, dass er als Landtagsabgeordneter viel Zeit hat.

Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern?Ebling ist in den SPD-Strukturen groß geworden. Er hat die klassische Parteikarriere gemacht. Ich musste schon immer einen unabhängigen Weg gehen. Nachdem klar war, dass mir als HdJ-Leiter bei der Stadt weitere Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt bleiben, habe ich mich entschieden, als freier Unternehmer tätig zu sein und konnte dies 20 Jahre unter Beweis stellen. Ich kenne Existenzängste und weiß, was es bedeutet, für Mitarbeiter/innen Verantwortung zu tragen.

Wäre die Stadt ein Unternehmen, hätte sie längst pleite gemacht. Kann das aktuelle Sparpaket wirklich die Wende einleiten?

Um eines zu verdeutlichen: Das vorliegende Sparpaket haben SPD, Grüne und FDP geschnürt, nicht der Finanzdezernent Beck. Ich hätte noch andere Überlegungen gehabt, wie man auf die nötige Summe von 12,7 Millionen Euro gekommen wäre.

Besonders die Erhöhung der Hundesteuer sorgt für Unmut. Manche Halter wollen gar ihr Tier andernorts anmelden.

Wenn es von den Fraktionen Kompensationsvorschläge gibt, bin ich gerne bereit, gerade hier nachzusteuern. Wichtig ist, dass die geplante Einnahmesumme von 500000 Euro erhalten bleibt.

Wann muss der Sparpaket endgültig geschnürt werden?

Es soll am 14. Dezember im Stadtrat beschlossen werden. Gelänge das nicht, gingen Einnahmen verloren, die für den Beitritt zum Entschuldungsfonds des Landes unabdingbar sind.

Das Gespräch führte Thomas Slotwinski

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