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Flugzeuge Umweltzerstörung Feinstaub kommt auch von oben

Ein Mainzer Experte schlägt angesichts der neuen Umweltzone der beiden benachbarten Landeshauptstädte ab 1. Februar Alarm: Nach seinen Erkenntnissen stoßen Düsenjets gefährliche Stoffe aus, die sich ungehindert über weite Flächen verteilen können.

15.01.2013 21:31
Claudia Renner
Schwer zu messen: Feinstaub aus Jetturbinen. Foto: Michael Schick

In Mainz und Wiesbaden tritt am 1. Februar die gemeinsame Umweltzone in Kraft: Im Kampf gegen die Gesundheitsgefahren durch Feinstaub dürfen nur noch abgasärmere Autos in die Innenstadt. Gesundheitsschädlicher Feinstaub kommt aber auch aus den Triebwerken von Flugzeugen – unsichtbar und schwer zu messen, aber nach Studien nicht weniger gefährlich als Fluglärm.

„Die Luft um den Frankfurter Flughafen ist nicht schlechter als anderswo“: Diese Botschaft, verbreitet vom hessischen Landesumweltamt Ende 2012, will der Mainzer Experte Wolfgang Schwämmlein so nicht stehen lassen. „Korrekterweise müsste es heißen: Mit den heutigen Messmethoden ist kein Unterschied feststellbar“, erläutert der Diplom-Ingenieur und Anti-Lärmaktivist. Vereinfacht gesagt: Um Feinstaubteilchen auf die Spur zu kommen, müsste man sie nicht wiegen, sondern zählen.

Gefahr rund um den Airport

Bisher erfassen die Messungen und Grenzwerte, wie sie den europäischen Umweltzonen zugrunde liegen, das Gesamtgewicht von Feinstaub in der Luft.

Wird der EU-Grenzwert von 50 Tausendstel Gramm (Mikrogramm) Feinstaub pro Kubikmeter an mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten, muss eine Stadt aktiv werden und etwa Verbote für (Diesel-)Fahrzeuge mit roter Umweltplakette aussprechen. In dieser Gesamtmenge an Feinstaub verbergen sich die als besonders gesundheitsschädlich geltenden ultrafeinen Partikel in der Größenordnung von höchstens 100 Nanometern (Millionstel Millimeter). Eine österreichische Studie berichtet von Messungen, wonach ihre Konzentration an Flughäfen besonders hoch ist – rund 1,6 Millionen Nanoteilchen pro Kubikmeter Luft.

Keine Flugverbotszone

Teilweise klumpen solche Winzlinge rasch zusammen und werden dadurch weniger schädlich. „Nur: Ein Zehn-Nanometer-Partikel kann bei durchschnittlicher Windgeschwindigkeit eine Strecke von zehn Kilometern schaffen“, sagt Schwämmlein. „In den Orten um den Flughafen steigt dadurch mit Sicherheit die Belastung.“ Einen Hinweis darauf geben stichpunktartige Messaktionen eines Umweltvereins in Flörsheim vom April 2012. Demnach bestand der bei Ostwind gemessene Feinstaub fast vollständig aus superfeinen Partikeln bei Spitzenwerten bis zu 109 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Schwämmlein hält es für wahrscheinlich, dass bei Ostwind und Anflugrichtung aus dem Westen ultrafeiner Staub aus Triebwerken auch über Mainz verteilt wird.

Für Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) ist es eine Binsenweisheit: „Flugzeuge emittieren Feinstaub und andere Stoffe.“ Allerdings sei die Flughöhe über Mainz so hoch, dass Feinstaubbelastung sich nicht eindeutig Flugzeugen zuordnen lasse. „Wir können über Mainz keine Flugverbotszone aussprechen, so schade das auch ist. Die Fluglärminitiativen sind auf dem richtigen Weg, wenn sie sagen, dass der Flugverkehr insgesamt reduziert werden muss. “

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